Informationen zum Satanismus

Der Begriff Satanismus (nicht zu verwechseln mit Teufelsanbetung) ist relativ neu. Er wurde nachweislich zum ersten Mal von Robert Southey explizit verwendet, welcher auf diese Weise seinen Gegner Lord Byron zu diskreditieren suchte. Dessen Drama "Cain" aus dem Jahre 1821 gilt heute als das erste explizit satanistische Werk der Weltliteratur. Bereits 1667 hatte John Milton unter dem englischen Originaltitel "Paradise Lost" ein dichterisches Werk veröffentlicht, in dem erstmals in der Literaturgeschichte ein Satan beschrieben wird, der dem Menschen seine Potentiale, zu Wissen und Göttlichkeit zu gelangen, bewusst macht.
 
Unter dem Begriff "Satanismus" wurden und werden vielerlei geistige Strömungen zusammengefasst, welche oftmals keinen zwingenden Zusammenhang aufweisen. Als Kriterium gilt hierbei in der Regel, dass die Figur des Satans mehr oder weniger im Mittelpunkt steht.
 
Die erste Person, welche den Satanismus öffentlich als eigenständiges (d.h. achristliches) und kohärentes Religionssystem kodifiziert hat, ist Anton Szandor LaVey. LaVeys Satanismus ist eine Synthese aus Prinzipien und Lehren verschiedener Personen, welche seines Erachtens einen maßgeblichen Beitrag zur Kultur des "Satanischen" geleistet haben. Bekannte Inspirationsquellen LaVeys sind u.a. Cagliostro, Rasputin, Friedrich Nietzsche, Fritz Lang, William Mortensen, Carl Gustav Jung, Wilhelm Reich, Mark Twain und Ayn Rand.
 
Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung kann der britische Magier Aleister Crowley weder als Satanist, noch als Vordenker des Satanismus eingestuft werden. Crowleys Maxime "Tu was du willst!" (repräsentiert durch das Wort "Thelema") korrespondiert nur bei oberflächlicher Betrachtung mit satanistischen Ideen. Tatsächlich fordert Crowley eine Einstimmung des menschlichen Individuums auf seinen "wahren Willen" - ein Konzept, welches eine stark mystische Ausrichtung hat. Ein solcher Universalismus ist mit Satanismus, welcher das individuelle Ich zum Maßstab der Dinge erhebt, nicht vereinbar. Allerdings hat die thelemitische Erklärung der Menschenrechte von Crowley ("Liber OZ") in ihrer entmystifizierten Form gerade unter Satanisten, die sich nicht auf die "Nine Satanic Statements" von Anton Szandor LaVey als ethische Grundlage beziehen wollen, weite Verbreitung gefunden. Die Verbindung von Satanismus und Thelema wurde durch den britischen Schriftsteller Dennis Wheatley geprägt.
 
Für einen realexistierenden Satanismus im Mittelalter vor dem Hintergrund der zahlreichen Hexenverbrennungen dieser Epoche gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Forschung keinerlei Anhaltspunkte.

1 Zur etymologischen Relevanz der Satansfigur

Der Begriff Satanismus bezieht sich etymologisch auf den Kulturraum der monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam), denn nur in diesen Religionen findet sich die Vorstellungen von einem Widersacher des einzigen Gottes, welcher den Namen Satan trägt. Allerdings geht die Idee einer dualistisch angelegten Welt, in der ein Kampf zwischen Gut und Böse ausgefochten wird, zurück auf ältere Religionen wie z.B. den Zoroastrismus und seinen Religionsgründer, Zarathustra. In gnostischen Strömungen wurde dieser Glaube aufgenommen und sowohl außerhalb als auch innerhalb des Christentums weit verbreitet und teilweise bis ins Extreme gesteigert.

1.1 Judentum

Im Judentum ist Satan derjenige, der die Seite der Anklage am Richterstuhl Gottes vertritt. Diese traditionelle Auffassung lebt weiter in der Person des Advocatus diaboli, der diese Funktion bei Verhandlungen am Stuhl Petri ausführt. Im Buch Ijob wurde Satan sogar als einer der Söhne Gottes bezeichnet, der in der Hierarchie der Engel so weit oben stand, dass er Zutritt zu Gottes Hofstaat hatte. Im Judentum bestand aber zu keinem Zeitpunkt Zweifel darüber, dass Gott über Satan steht. Eine polarisierende Deutung der Welt als ein Kampf Gut gegen Böse mischte sich erst später aus anderen religiösen Strömungen (persische und babylonische Religionen) in die Kultur der Juden und war zunächst wenig bedeutsam und sichtbar.
 
Satan wurde in späteren jüdischen Mythologien (apokryphes Buch Henoch) als gefallener Engel beschrieben, der sich zusammen mit seinen Anhängern gegen Gottes Willen auflehnt und zur Strafe auf die Erde verbannt wurde.
 

1.2 Christentum

Erst im neuen Testament wurde der Teufel mit der universellen Verführungen gegen Gott identifiziert. Dazu zählte schließlich auch die Sendung oder gar Identifizierung mit der Schlange im Paradies. Im Christentum wird der Teufel als Gegner und Widersacher (hebräisch: Satan) des christlichen Gottes gesehen. In gnostischen Strömungen wurde Satan später mit dem römischen Gott Luzifer, dem "Lichtbringer", gleichgesetzt. Während im Laufe der Jahrhunderte alle nicht-christlichen ("heidnischen") Religionen in Europa von den Christen verdrängt wurden, erhielt der Teufel eine Vielzahl von Beinamen und neuen Gesichtern, da man die alten Gottheiten zu Feinden Gottes erklärte: eine der bekannteren Darstellungen ist die des bocksbeinigen Hirtengottes Pan.
 
Aus der Sicht des Christentums ist der Satanismus eine Ideologie, die sich weder mit dem christlichen Glauben vereinbaren, noch auf ihm aufbauen lässt. Als Kritik des christlichen Glaubens bleibt der Satanismus auf halbem Wege stehen, indem nicht alle Dogmen verworfen werden, sondern in positiver Hinwendung Bezug auf Satan genommen wird. Die als wesentlich betrachtete Abkehr der Satanisten von den christlichen Dogmen, sozusagen als zur Schau getragene Antithese des christlichen Glaubens, erscheint somit, im Gegensatz etwa zum Atheismus, als merkwürdig inkonsequent.
 

1.3 Islam

Dem Islam ist die Vorstellung, dass Schaitan Widersacher Gottes oder eine Art Kräfte-Gegenpol ist, fremd. Das Prinzip Gut gegen Böse als Gegenkräfte ist hier nicht anwendbar. Denn nur Allah ist der absolut Mächtige, Schaitan ist dagegen lediglich Versucher der Menschen, dem Allah eine Frist gesetzt hat. Schaitan ist nicht allmächtig - aber gefährlich für die Menschen, solange sie wanken und sich Allah nicht völlig ergeben. Folglich gibt es im Islam in der Regel in keiner Form Sekten oder Glaubensrichtungen, die sich irgendwie mit der Verherrlichung des Teufels auseinandersetzen.

2 Satanismus in der Literatur

Ursprünglich meinte man mit Satanismus eine geistige Strömung in der Literatur, hauptsächlich in England, welche sich mit dem Bösem auseinandersetzte. Der Begründer war John Milton ("Paradise Lost", in dem der Satz "Lieber ein Fürst in der Hölle als ein Sklave im Himmel" auftaucht; engl.: Better to reign in hell, than to serve in heaven.). Die berühmtesten Autoren dieser Strömung waren Marquis Donatien Alfonse Francois de Sade ("Les 120 jeunes de Sodome"), dessen grausame, Gewalt und Vergewaltigung verherrlichende Werke weltberühmt sind (nach ihm ist der "Sadismus" benannt), und Lord Byron ("Der Korsar", "Childe Harolds Pilgerfart"), der sich selbst als Inkarnation des Satans sah.

3 Satanismus als Philosophie und Religion

Ein atheistischer Standpunkt an sich ist noch keine eigene Religion, sondern nur die Festlegung in einer einzelnen, wenn auch weitreichenden, Frage.
 
Des weiteren ist der Begriff Religion sehr komplex. So lassen sich auch bei bekennenden Atheisten religiöse Aspekte betrachten. Beispielsweise der Stalin-Kult in der Sowjetunion, oder die Jugendweihe, die zwar als Ersatz-Ritual gedacht ist, hierbei jedoch eigene Kult-Handlungen entstehen lässt.
 
Der Taoismus, der im Westen sowohl als Philosophie als auch als Religion betrachtet wird, negiert die Existenz einer Gottheit.
 

3.1 Satanistische Ideologien

In den meisten satanistischen Ideologien steht die Anbetung oder Anrufung des Teufels, Satans, Luzifers oder von Dämonen tatsächlich nicht im Vordergrund. Satan wird als ein Symbol für den Widerstand gegen die Dogmen der Religionen gesehen. Im Zentrum steht stattdessen im allgemeinen die Beanspruchung der eigenen Göttlichkeit, die oft im Ausleben der Sexualität (z.B. rituelle Sexualmagie) zum Ausdruck gebracht wird. Der Mensch wird zum Maß der Dinge und ist sein eigener Gesetzgeber, was sich oft auch in einem weltanschaulichen Sozialdarwinismus ausdrückt. Die Individualität steht im Vordergrund und Okkultismus und Satanismus sind in den meisten Fällen zu trennen. Satanismus hat nichts mit magischen Handlungen zu tun, sondern mit dem Ausleben des Selbst.
 
Während Religionen/Philosophien wie das Christentum, der Islam oder der Hinduismus dem Pfad der rechten Hand zugeordnet werden, bezeichnen sich satanistische Gruppierungen als dem Pfad zur linken Hand zugehörig. Vereinfachend handelt es sich hierbei um eine Unterscheidung zwischen Glaubensrichtungen, in denen (Pfad der rechten Hand) die Auslöschung des Selbst (Versöhnung des Selbst mit der Schöpfung, indem die Gebote eines Schöpfergottes befolgt werden; Verschmelzung, Einswerden, Auflösung des Selbstes in einem als illusionär betrachteten Nirvana, Einzug in den Himmel etc.) im Fokus liegt, und zwischen solchen Schulen und Lehren (Pfad zur linken Hand), die das Bewusstsein individueller Existenz als besonderes Geschenk und Chance, als auslösendes Agens für eine Entwicklung des menschlichen Potenzials erachten. Hinsichtlich der Position des individuellen Selbstes einem Allganzen gegenüber, geht es beim linkshändigen Pfad um die Abspaltung von diesem (falls vorhandenem) Allganzen; eine bewusste Abtrennung oder um die sog. "Selbstvergottung".
 

3.2 Satanistische Organisationen

3.2.1 Die Church of Satan

Die Church of Satan (CoS) wurde offiziell am 30.4. 1966 von Anton Szandor LaVey in San Francisco gegründet. Diese internationale Organisation ist in den USA offiziell als Kirche anerkannt, verzichtet jedoch auf die ihr rechtlich zustehende Steuerbefreiung. Die CoS repräsentiert jenen Satanismus, wie er 1969 durch LaVeys "Satanic Bible" kodifiziert wurde. Ihr Sitz befindet sich mittlerweile in New York City.
 
Die CoS ist zentralistisch organisiert. Ihre Leitung (der "Order of the Trapezoid") setzt sich aus den beiden Hohepriestern (jeweils ein Mann und eine Frau) und dem Entscheidungsgremium der "Council of Nine" zusammen. Mitgliedschaften in der CoS können entweder passiv oder aktiv sein. Aktive Mitglieder können sich entweder als Medienrepräsentanten (sog. "Agents") engagieren, oder einer "Grotto" beitreten.
 
Die sog. "Grottos" sind lokale Interessengruppen der CoS. Einige Grottos treten öffentlich auf und verfügen sogar über eigene Homepages, andere ziehen es vor, im Verborgenen zu operieren. Der Leiter einer Grotto ist öffentlich lediglich dazu autorisiert, sich im Namen seiner Grotto, nicht aber im Namen der CoS zu äußern. Die einzelnen Grottos haben keine zwingende Verbindung außer dem gemeinsamen Bekenntnis zum Satanismus, wie er von LaVey kodifiziert wurde.
 
Die CoS vertritt einen atheistischen Standpunkt; die Figur Satans wird als Archetyp gedeutet, mit welchem sich der einzelne Satanist identifizieren kann. Innerhalb der CoS ist seit ihrer Gründung bereits ein Schisma erfolgt: 1975 spalteten sich unter der Leitung von CoS-Magister Dr. Michael Aquino einige Mitglieder der CoS ab, um ihre eigene Organisation, den Temple of Set (ToS), zu gründen.
 
Prominente Mitglieder der CoS sind/waren u.a. Sammy Davis Jr., Kenneth Anger, Boyd Rice, Jayne Mansfield, Marc Almond von Soft Cell und Brian Warner von Marilyn Manson.
 

3.2.2 Der Orden In Nomine Satanas

In der Walpurgisnacht des 30. April 1996 wurde der Orden "In Nomine Satanas" (I.N.S.) in der Klosterruine St. Michael auf dem Heiligenberg in Heidelberg rituell gegründet. 
 
Schriftliche Quellen, an denen sich die Philosophie des I.N.S. orientiert, sind vor allem gnostische Überlieferungen der Antike (Ophiten, Naassener, Peraten). Entsprechend bezeichnet der Orden seine Ausrichtung auch als "gnostischen Satanismus". Verbunden wird dieser Bezug auf die Gnosis mit einem Thelema-Begriff, der sich auf die Schrift "Gargantua" von François Rabelais (ein humanistisches Werk aus dem Jahre 1534 über eine freiheitliche "Abtei Thelema", in der man sich nicht "von dem Klang einer Glocke", sondern "von den Vorschriften der Einsicht" leiten lässt) stützt.
 
Das wichtigste Ritual des I.N.S. stellt die "Missa Sinistra" dar. Die Missa Sinistra (lat.: "die Unheilvolle Messe", wie auch "die Linksseitige Messe" in Verbindung zum "Okkultismus des Linkshändigen Pfades") will die Tradition der anti-christlichen "Schwarzen Messen" überwinden. Der I.N.S. erstrebt mit seinem Satanismus eine vollständige Unabhängigkeit vom Christentum (wie auch allen anderen Religionen) "im Unterschied zu den zahlreichen Satanisten, die ihre Religiosität mehr oder weniger als Anti-Christentum entwickeln".
 
Organisatorisch weist der I.N.S. ein offenes System von vier verschiedenen Priesterschaften auf, in die man bei persönlichem Interesse und Zustimmung des Ordens rituell eingeführt werden kann.
 

3.2.3 Der Order of Nine Angles

Der aus Großbritannien stammende "Orden der neun Winkel" gehört zu den schillerndsten Strömungen innerhalb der satanischen Subkultur. Laut ONA-Mitglied Christos Beest setzt sich der Order of Nine Angles nur aus ca. 10 Personen zusammen (vgl. Gavin Baddeley), hat jedoch aufgrund seiner kontroversen Ansichten für Aufmerksamkeit in der Szene gesorgt. Dadurch hat der Orden inzwischen auch in den USA und in Deutschland Mitglieder gewinnen können. Seine Entstehungsgeschichte datiert der ONA bereits vor die in der Szene dominierende Church of Satan.
 
Der sozialdarwinistisch ausgerichtete ONA beschäftigt sich intellektuell mit Menschenopfern und Nationalsozialismus, obgleich er sich wie andere Satanisten dem Pfad zur Linken Hand zurechnet. Dessen ungeachtet sind die schriftlichen und künstlerischen (der ONA hat u.a. ein eigenes Tarot, das "Sinister Tarot" veröffentlicht) Outputs des ONA auf einem vergleichsweise hohem Niveau, wie selbst von seinen Gegnern bescheinigt wird.
 
Der ONA wird von vielen Satanisten abgelehnt, insbesondere von jenen, welche ideologisch der CoS nahe stehen. Er verfügt über keine offizielle Homepage. Schriften des ONA wie "The Black Book of Satan" sind im Internet jedoch weit verstreut.

4 Satanismus in Subkulturen

Vielen Subkulturen wird nachgesagt, dass ihre Szenegänger dem Satanismus frönen würden, wobei man sich darunter unwissentlich meistens Jugendsatanismus vorstellt. Dies ist jedoch in den allermeisten Fällen vollkommen falsch.
 
Die Gothic-Subkultur findet sich wohl am häufigsten mit diesem Vorurteil konfrontiert. Zwar sind viele Grufties mit den Begriffen des ideologischen Satanismus oberflächlich vertraut, jedoch kommen die wenigsten von ihnen auf die Idee, nachts am Friedhof Hühner dem Teufel zu opfern. Auch hier ist allenfalls Protestsatanismus in der Jugendkultur verbreitet.
 
Auch die Heavy-Metal-Subkultur bedient sich stellenweise satanistischer Symbole. Mit welcher Häufigkeit und Ernsthaftigkeit, hängt ausgesprochen stark davon ab, in welcher Subszene des Heavy-Metal man sich bewegt. In den meisten Subszenen werden, entgegen aller Vorurteile, tatsächlich nur sehr selten satanistische Symbole verwendet, und entsprechendes Gedankengut ist gar nicht präsent. In der Subszene Death Metal ist eine antichristliche bis satanische Symbolik vereinzelt vorzufinden, was in erster Linie jedoch mit dem Ziel der Provokation geschieht. In der Black Metal Szene ist satanische Symbolik stärker vertreten, doch auch nordisch-heidnische Strömungen lassen sich dort häufiger ausmachen.
 
 
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