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Religionsgeschichte des Hinduismus |
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Der Hinduismus ist eine Verschmelzug von zwei verschiedenen religiösen
Systemen, die im Laufe der Zeit zu einer Einheit wurden. Die altindische
Religion und die Religion der aus dem Norden eingewanderten Arier.
Die Urbevölkerung Indiens deren Geschichte weitgehend im
Dunkeln liegt wurde im Laufe der Zeit immer weiter in den Süden
verdrängt. Aus dieser mutterrechtlichen Kultur stammen die
Elemente, die in den Veden keine Rolle spielen. Die Verehrung
weiblicher Göttinnen, heiliger Tiere und der Phalluskult
(Lingam). Im Rigveda der Arier hingegen werden die Götter
als personifizierte Naturkräfte beschrieben und der Glaube
der Arier stellte sich als Henotheismus dar. Durch komplizierte
Rituale erhielt die Brahmanenkaste einen hohen Grad an Einfluß.
Seit 500 v.Chr. erfuhr der Hinduismus seine klassische Zeit und
bis heute überlieferte wesentliche Ausgestaltung, was wesentlich
dem Sanskrit zu verdanken ist. Als Hauptgötter galten nun
Brahma, Vishnu und Shiva und es wurden Tempel gebaut, Götterstatuen
aufgestellt und viele Kult- und Weihehandlungen entstanden. Seit
dem 4 Jh v. Chr. verlor der Hinduismus durch den Buddhismus
viele Anhänger und wurde erst im 4 Jh. wieder offiziell anerkannt.
Seit dem 8. Jh. wurde der Hinduismus auch teilweise durch den
Islam verdrängt
und der Sikhismus entstand, sowie monotheistische Tendenzen.
| 2 Schriften,
Glaubensrichtungen & Gurus |
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Der Hinduismus kennt keine Gründerfigur (wie etwa Jesus
im Christentum
oder Buddha im Buddhismus).
Es gibt auch keine wohldefinierte Schriftensammlung (wie die christliche
Bibel oder den islamische Koran), die alleingültig ist oder
als vollständig gilt. Dennoch gelten die Veden und die Bhagavad
Gita als die grundlegenden Schriften des Hinduismus sowie hauptsächlich
der Vedanta und die Upanischaden (Geheimlehren).
Entgegen dem ersten Schein ist der Hinduismus eine monotheistische
Religion. Das höchste Göttliche ist Brahman. Es ist
das Eine ohne ein Zweites. Es ist die Totalität. Weder männlich
noch weiblich und doch beides zugleich. Das Schaffende und das
Erschaffene zugleich. Es ist der Urgrund und die letzte Wirklichkeit.
Brahman wird in Tempeln nie dargestellt, da es aller Formen ledig
ist. Es ist alles, was ist. Brahman wird nicht angebetet, da es
ja den Anbetenden mit einschließt. Brahman kann nur erkannt
werden in allem, was ist. Advaita (Nichtdualität) ist die
Lehre Shankaras (788-820), die auf diese Erkenntnis der Einheit
zielt.
Im Hinduismus wird der Kosmos als geordnetes Ganzes angesehen,
der vom Dharma, dem Weltgesetz, welches die natürliche und
sittliche Ordnung ist, beherrscht wird.
Die Gottesauffassungen sind dem einzelnen überlassen, die
Hauptrichtungen des Hinduismus sind jedoch Shivaismus, Vishnuismus,
Shaktismus und Tantrismus. Die drei höchsten Götter
des Hinduismus sind Brahma, Shiva und Vishnu, die auch als Dreiheit,
Trimurti, auftreten. Daneben gibt es aber andere unzählige
Götter, die oft als Kinder oder Diener der Dreiheit aufgefasst
werden, z.B. der elefantenköpfige Gott Ganesha und es gibt
auch eine große Zahl weiblicher Gottheiten, die als Gemahlinnen
oder weibliche Seite der drei Hauptgötter gelten, z.B. Sarasvati,
Lakshmi und Durga.
Götter, Menschen und Tiere durchwandern nach hinduistischer
Glaubensvorstellung in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten
Kreislauf die Yuga genannten Weltzeitalter. Während des Lebens
wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft.
Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst
nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Reinkarnationen
(Samsara) und die Erlösung (Nirvana), das Aufgehen des Atman
(Atman ist ein Stück von Brahman das jeder in sich trägt).
Es ist NICHT zu vergleichen mit der Seele, da die Seele etwas
Individuelles (also bei jedem verschieden) und das Atman immer
das gleiche ist im "kosmischen Bewusstsein" (Brahman).
Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung
des Geistes und je nach Realisation des Suchers kann diese durch
viele Methoden (z.B. Yoga) erreicht werden.
Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus
trotz Streichung des Kastensystems aus der Verfassung weiterhin
große soziale Relevanz. Die ursprüngliche Bedeutung
des Kastenwesens war, dass der Einfluss eines Menschen in der
Gesellschaft mit dem Maß seiner Selbstlosigkeit wachsen
sollte. Grundsatz der Kastenordnung ist, daß die Lebewesen
von Geburt an nach Aufgaben, Rechten, Pflichten und Fähigkeiten
streng voneinander getrennt sind. Für die einzelnen Kasten
gibt es unterschiedliche spezielle religiöse und kultische
Vorschriften, die sich in allen Bereichen des Lebens äußern.
Die oberste Kaste ist die Priesterkaste der Brahmanen, die zweite
Kaste die der Kshatriya, die Kriegerkaste, dann die Vaishyas,
Bauern, Viehzüchter, Gewerbetreibende und Händler und
die vierte Kaste, die Shudras, Arbeiter und Handwerker. Die niedrigste
Gruppe sind die sogenannten Unberührbaren, die Parias, die
oft ein erbärmliches Dasein fristen und 'unreine' Berufe
ausüben. Alle Kasten sind in viele Unterkasten geteilt, so
dass es 2000 bis 3000 Kasten gibt. Obwohl das Kastenwesen im Hinduismus
entstanden ist, wird es dort auch von anderen Religionen praktiziert.
So hat die Christianisierung das Kastenwesen nicht immer abgeschafft.
So müssen in vielen Kirchen Indiens Angehörige der unteren
Kasten hinten sitzen.
Die Frauen wurden in Indien mit größerem Respekt behandelt
als in anderen antiken Kulturen. Professor H.H. Wilson sagte,
dass man mit Zuversicht feststellen kann, dass in keiner anderen
antiken Nation die Frauen in so großer Achtung standen wie
bei den Hindus. Einige Hymnen der Rig Veda wurden von Frauen geschrieben,
und in der Brhadaranyaka Upanishad finden wir einen Dialog zwischen
der gelehrten Tochter von Vachaknu Gargi und Yajnavalkya. Frauen
erhalten die gleiche Erziehung wie die Männer und können
auch religiöse Riten ausführen.
Die Hauptaufgabe der Frau im Hinduismus ist die Mutterschaft.
Frauen sollten möglichst viele Söhne bekommen. Töchter
haben einen geringeren Wert, da bei der Hochzeit die Mädchen
die Mitgift mitbringen müssen und die Familie durch Mitgiftzahlungen
für zu viele Töchter auch verarmen kann. Diese Geringschätzung
von Mädchen führt oft zur Abtreibung weiblicher Nachkommen.
Diese hohe Abtreibungsrate ist ein Problem, für das bisher
aber noch keine Lösung gefunden worden ist.
Die Aufgabe der Frau ist es, dem Mann auch nach seinem Tode treu
zu bleiben und ihn auch nach seinem Ableben zu ehren. Manchmal
führt dies sogar so weit , dass sich die Frau bei der Feuerbestattung
ihres Mannes lebendig verbrennen lässt. Diese so genannte
Witwenverbrennung (sati) gibt es teilweise auch heute noch. Sie
macht deutlich, wie stark die Rolle der Frau im Hinduismus auch
heute noch traditionsbestimmt ist
In der Familie ist der Vater das Oberhaupt; Mutter und Töchter
haben ihm zu dienen (Patriarchat). Er trifft alle wichtigen Entscheidungen,
beispielsweise über Geldangelegenheiten, Hochzeit usw.
Da die Menschen im Verlauf der Zeit von Milchprodukten abhängiger
wurden als zuvor, und die einzige Quelle hierfür Kühe
waren, war die Kuh lebenswichtig, also heilig. Eine lebende Kuh
brachte mehr Nahrung als eine tote. Die Viehzucht zum Zwecke der
Fleischproduktion (sogenannte Veredelung) erfordert einen sehr
hohen Futtermittelaufwand. Für die vorwiegend vegetarische
Lebensweise der Hindus wird deshalb erheblich weniger (nur ca.
10-20%) an landwirtschaftlich bearbeitbarer Fläche benötigt
als vergleichsweise für eine auf Fleischverzehr ausgerichtete
Kost.
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