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Leben
Richard Dawkins wurde in Nairobi geboren, wohin sein Vater Clinton
John Dawkins als Angehöriger der Alliierten Streitkräfte
versetzt worden war. Seine Familie kehrte 1949 nach England zurück.
Er studierte bei dem niederländischen Ethologen Nikolaas Tinbergen
an der Universität Oxford Biologie. Im Jahr 1966 erlangte er
seinen Doktorgrad in Zoologie (D.Phil.). 1967 heiratete er die Autorin
Marian Stamp, von der er sich 1984 trennte.
In den Jahren 1967 bis 1969 war Dawkins Assistenzprofessor der
Zoologie an der University of California, Berkeley, von 1970 bis
1995 Dozent für Zoologie am New College der Universität
von Oxford. 1984 heiratete er Eve Barham, mit der er im selben Jahr
eine Tochter hatte; die Ehe wurde ebenfalls geschieden. Seit 1992
ist er mit der Schauspielerin Lalla Ward verheiratet. Seit 1997
ist er gewähltes Mitglied der Royal Society of Literature und
seit 2001 auch gewähltes Mitglied der Royal Society.
Seit 1995 ist er Charles Simonyi Professor of the Public Understanding
of Science an der Oxford University. Charles Simonyi äußerte
sich wiederholt als Anhänger des wissenschaftlichen Werks Dawkins.
Für die Einrichtung spendete der Milliardär 1,5 Mio. Pfund
an die Oxford University. 2008 wurde bekannt, dass die Professur
neu ausgeschrieben wird und Dawkins von dieser Position aus Altersgründen
zurücktritt.
Der Spiegel bezeichnet Dawkins als einflussreichsten Biologen seiner
Zeit.
Biologie und biologische Evolution
Dawkins erlangte Bekanntheit durch seine Theorie des egoistischen
Gens, die er im gleichnamigen Buch beschreibt. Darin sieht er das
Gen als die fundamentale Einheit der Selektion, das den Körper
nur als Überlebensmaschine benutzt.
Er tritt innerhalb der Evolutionsbiologie für die These ein,
dass in evolutionären Prozessen Konkurrenzsituationen bzw.
Fitnessunterschiede auf genetischer und individueller Ebene ausschlaggebend
sind, wohingegen Gruppenselektion keine oder nur eine marginale
Rolle spielt. In seinem ersten Buch Das egoistische Gen behandelt
er diese Thematik und führt sie dann in The Extended Phenotype
(1982) weiter aus, indem er die enge Definition des Phänotypen
erweiterte und vermehrt das einzelne Gen ins Zentrum stellt. Diese
Haltung war im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts weitestgehend
akzeptiert. In jüngster Zeit jedoch wurde diese Aussage durch
theoretische Modelle und konkrete Beispiele relativiert. Hier sind
insbesondere die Arbeiten des Biologen David Sloan Wilson sowie
des Wissenschaftsphilosophen Elliott Sober zu nennen.
Vermittelt über die Soziobiologie, als deren führender
Vertreter Dawkins - neben Edward O. Wilson - gilt, wird die Theorie
vom egoistischen Gen z.T. auch in den Sozialwissenschaften rezipiert,
ist dort aber sehr umstritten.
Mem
In seinem Buch Das egoistische Gen führte Dawkins 1976, als
hypothetische Analogie zum Gen als Replikationseinheit der biologischen
Evolution, den Begriff Mem als Replikationseinheit der kulturellen
Evolution ein. Beispiele für Meme sind nach Dawkins: Ideen,
Melodien, Gedanken, Schlagworte, Kleidermoden, die Kunst, Töpfe
zu machen oder Bögen zu bauen. Meme vermehren sich demnach
im Mempool, indem sie von Gehirn zu Gehirn springen durch
einen Prozeß, den man im weitesten Sinne als Imitation bezeichnen
kann und unterliegen ebenso wie Gene Mutation und Selektion.
Er wollte allerdings, wie er in der 2. Auflage des Buches schreibt,
lediglich den universellen Charakter der Darwinschen Evolutionstheorie
verdeutlichen und zeigen, dass Gene nicht die einzigen Angehörigen
jener wichtigen Klasse [der Replikatoren] sind. Obwohl Dawkins
selbst den Begriff eher skeptisch betrachtet und seine hypothetische
Natur betont, gibt es einige Wissenschaftler, die sich in der neuen
Forschungsrichtung der Memetik mit dieser Form von Replikatoren
befassen und Meme als tatsächliche Replikationseinheiten der
kulturellen Evolution auffassen.
Weltanschauung
Dawkins ist Mitglied der britischen Skeptics Society, einer Organisation
der Skeptikerbewegung, sowie weiterer britischer Organisationen
zur Förderung humanistischer und atheistischer Weltanschauungen
und einer stärkeren Säkularisierung des britischen Staates.
Er gehört zu den Meinungsführern der Brights. Schon in
früheren Werken verteidigte er die Evolutionstheorie vehement
gegen teleologische Konzepte, die in der Entstehung der Arten eine
Zielgerichtetheit erkennen wollten.
In Der blinde Uhrmacher bezieht er sich auf den Gottesbeweis
des englischen Theologen William Paley, nach dem das Leben nicht
durch Zufall entstanden sein kann, in Analogie zu einer Uhr, die
nach dem präzisen Konstruktionsplan eines Uhrmachers entsteht.
Dawkins vergleicht in diesem Buch den Aspekt, dass die natürliche
Selektion ein unbewusster und ungesteuerter Prozess ist, mit der
Analogie von Gott als demnach blindem Uhrmacher.
In den vergangenen Jahren hat er sein Streiten auf die Religion
im Allgemeinen ausgeweitet. In seinem Essay Viruses of the
Mind stellt er Religion anhand der Mem-Theorie als gedankliches
Virus dar. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern wie dem neurobiologisch
interessierten Autor Sam Harris wendet er sich nicht nur gegen den
Glauben an einen Gott, sondern auch gegen den "Glauben an den
Glauben". Damit meint er die Tendenz an und für sich nicht
religiöser Menschen, der Religion eine positive Wirkung auf
die Moral und die Ethik zuzuschreiben.
Die Atheist Alliance International (Internationaler Atheisten-Verband)
vergibt seit 2003 den Richard-Dawkins-Preis an Atheisten, die der
nontheistischen Sache öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen.
2005 verlieh Dawkins den Preis persönlich an die Illusionskünstler
Penn & Teller.
Ariane Sherine und Richard Dawkins beim Start der Atheist Bus Campaign
2006 gründete er die Richard Dawkins Foundation for Reason
and Science (RDFRS oder RDF), eine gemeinnützige Stiftung,
welche sich in den Bereichen der humanistischen Forschung und Bildung
engagieren will.
Richard Dawkins unterstützte 2008/09 gemeinsam mit der British
Humanist Association die Atheist Bus Campaign der Aktivistin Ariane
Sherine, auf Londoner Bussen die Zeilen There's probably no
god. Now stop worrying and enjoy your life. (deutsch: Es
gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt höre auf, dir Sorgen
zu machen, und genieße dein Leben!) zu veröffentlichen.
Damit soll Bewusstsein für den Atheismus geschaffen werden
und den Menschen die Sorgen genommen werden.
| 2.1 Der
entzauberte Regenbogen - Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft
der Phantasie |
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Dawkins richtet sich mit diesem Buch an ein breites Publikum
und versucht, seine Faszination an der Wissenschaft zu vermitteln.
Er vertritt darin die These, dass Wissenschaft keinesfalls
langweilig und eintönig sei, sondern vielmehr von Kraft,
Witz und Geist sprühe. Der Titel des Buches bezieht sich
auf den Vorwurf des romantischen Dichters John Keats, Isaac
Newton habe mit der physikalischen Erklärung des Regenbogens
diesen entzaubert. Dawkins dagegen vertritt die These, dass
eine wissenschaftliche Erklärung die Welt nicht an Schönheit
mindere, sondern ihr vielmehr an Schönheit und Eleganz
neue Dimensionen hinzufüge. Gleichzeitig stellt sich
Dawkins in seinem Buch gegen jede Form von Pseudowissenschaft
und Aberglauben wie Astrologie, welche er als im direkten
Gegensatz zur Wissenschaft stehend ansieht.
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| 2.2 Der blinde
Uhrmacher: ein neues Plädoyer für den Darwinismus |
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Mit dem Titel spielt Dawkins auf die Uhrmacher-Analogie an,
ein teleologischer Gottesbeweis, der unter anderem von William
Paley in dieser Form vorgebracht wurde und heute von Vertretern
des Kreationismus und des Intelligent Designs gebraucht wird.
Paley argumentiert in seiner Natural Theology 1802, also 50
Jahre vor Charles Darwin, dass eine auf dem Feld gefundene
Taschenuhr als intelligent konstruiertes Objekt erkannt werde,
und dass folglich auch die lebenden Organismen als Werke eines
intelligenten Konstrukteurs anzusehen seien. Dawkins dagegen
legt dar, wie die Evolutionstheorie von Charles Darwin plausibel
die Existenz von Lebewesen erklärt, ohne dass dafür
ein Schöpfergott notwendig wäre. Dazu erklärt
er den Unterschied zwischen einem komplett zufälligen
Prozess und einem Prozess mit zufälligen Mutationen und
anschließender Selektion. Dies wird durch ein Beispielprogamm
(das Weasel Program) erläutert und zusätzlich ist
auch das Computerprogramm The Blind Watchmaker erhältlich,
welches den Prozess der natürlichen Selektion simuliert.
Am Ende des Buches benutzt Dawkins die Tatsache, dass die
Komplexität in der Natur durch die Evolutionstheorie
von Darwin erklärt werden kann, als Argument gegen konkurrierende
Theorien und stellt fest, dass es keine Alternativen gibt.
Daraus schließt er, dass die Existenz von Lebewesen
ohne die Annahme eines Gottes erklärt werden kann.
1987 produzierte Richard Dawkins die BBC-Dokumentation The
Blind Watchmaker, in der er die Kernaussagen seines Buches
ausführt.
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Dawkins geht von der Überlegung aus, dass in der Evolutionsforschung
eine Zeit lang Arten als Einheit der Selektion angesehen wurden.
So heißt es in älteren Dokumentationen oft: Tiere
opfern sich zum Wohl der Art. Inzwischen geht
die allgemeine Tendenz jedoch eher in die Richtung, einzelne
Individuen und ihre Konkurrenz um Ressourcen in den Vordergrund
zu stellen. Dawkins denkt diesen Ansatz radikal weiter: Warum
sollten nicht die Genabschnitte einzelner Chromosomen selbst
mit den gleichen Genabschnitten anderer Chromosomen miteinander
im Wettstreit stehen? Denn zumindest Lebewesen,
die sich sexuell vermehren, können ja nicht als ganze
Individuen in die nächste Generation weitergegeben werden,
sondern nur eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl
ihrer Gene. Insofern besteht eine Konkurrenz der Gene um ihre
Verteilung in der nächsten Generation, an den jeweils
entsprechenden Stellen im Chromosomensatz.
Besonders allele Gene stehen in direkter Konkurrenz. Also
solche, die an der gleichen Stelle im Genom sitzen können
und die gleiche Aufgabe erfüllen, sich aber darin voneinander
unterscheiden können, wie sie diese Aufgabe erfüllen.
Gene müssen deshalb immer egoistisch sein,
das heißt in diesem Zusammenhang ihre Verbreitung auf
Kosten von anderen Genen vergrößern (wobei der
Egoismus der Gene sich freilich nur als anschauliches
Bild versteht Gene haben weder Gefühle noch Absichten).
Es lässt sich nur auf die Vergangenheit schauend erklären:
Ist ein Allel heute noch vorhanden, folgt daraus, dass es
sich egoistisch (hier im Sinne von darwinistisch evolutionär)
gegen andere durchgesetzt hat. Andere Allele, mögen sie
noch so funktionell für ihre Träger gewesen sein,
sind unterlegen und verschwunden entweder aufgrund
ihrer eigenen evolutionären Unterlegenheit oder jener
der sie begleitenden Allele.
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2.4
Geschichten vom Ursprung des Lebens: Eine Zeitreise auf Darwins
Spuren
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Der Kern des Buches beschreibt eine fiktive Zeitreise des
Lesers mit Richard Dawkins und unseren Mitfahren (ein Neologismus,
abgeleitet von Vorfahren, der in dem Buch eingeführt
wird. Er bezeichnet einen Vorfahren, der diese Reise mitbestreitet).
Diese Reise geht den evolutionären Stammbaum des Homo
sapiens entlang, angefangen bei uns bis hin zu den Eubakterien.
Er erzählt das Schicksal vieler Arten seit der Entstehung
der Welt. Das Buch ist so in 40 Begegnungen mit "Mitfahren"
und jeweiligen Geschichten mit näherem Eingehen auf eine
Spezies, ihren Evolutionsweg oder eine Besonderheit dieser
gegliedert.
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Der Gotteswahn (engl.: The God Delusion) ist der Titel einer
2006 erstmals bei Houghton Mifflin im englischen Original
erschienenen Monografie Richard Dawkins, in der er sich gegen
theistische Religionen und insbesondere gegen die drei abrahamitischen
Weltreligionen wendet. Dawkins zentrale Thesen sind, dass
jeder Glaube an Gott in all seinen Formen irrational sei und
dass Religion in der Regel schwerwiegende negative Auswirkungen
auf die Gesellschaft habe. Das Buch war weltweit ein großer
Verkaufserfolg und gilt seither als einer der Haupttexte in
den Kontroversen um den Neuen Atheismus.
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