Neuapostolische Kirche (NAK)
Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist eine christliche Religionsgemeinschaft,
die sich Ende des 19. Jahrhunderts aus den katholisch-apostolischen
Gemeinden entwickelt hat.
Die offizielle Abkürzung lautet im deutschsprachigen Bereich
NAK (in anderen Sprachen: z. B. engl. NAC, franz. ENA). Im Internet
hat sich inzwischen das Präfix "nak-" für
Bezirks- und Gemeindeseiten, Gruppen und Organisationen innerhalb
der NAK eingebürgert. Die internationale Kirche wird mit
NAKI (= NAK International) abgekürzt. In Internetforen wird
auch häufig der Ausdruck "Naki" für ein Mitglied
der NAK verwendet.
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Das Emblem der Neuapostolischen Kirche ist in
Weiß auf hellblauem Grund gehalten: Ein Kreuz schwebt
über stilisierten Wellen; am Horizont geht aus diesen
Wellen die Sonne auf. Die drei Sinnbilder sind das Kreuz,
die aufgehende Sonne und die Wellen des Meeres. Eine offizielle
Auslegung des Emblems durch die Kirchenleitung findet nicht
statt. Bild
Ein möglicher Bezug kann in den drei Sakramenten der
NAK gesehen werden: Die Wellen stehen für die Wassertaufe,
das Kreuz für das Abendmahl und die aufgehende Sonne
für die Geistestaufe. Einer anderen, älteren Auslegung
zufolge handelt es sich nicht um eine auf- sondern um eine
untergehende Sonne, die die "Endzeit" (Warten
auf die Wiederkunft Christi) symbolisieren soll.
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Die Neuapostolische Kirche hat weltweit rund 11 Millionen Mitglieder
(Stand: 31. Dezember 2005) und ist in Deutschland mit rund 377.000
Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2004) die drittstärkste
Einzelkirche und (nach den Orthodoxen Kirchen) die viertstärkste
christliche Konfession.
Die Zahl der Gemeinden wächst aufgrund der engagierten Missionstätigkeit
vor allem in Afrika stetig an, wo die NAK heute einen Großteil
ihrer Mitglieder hat. In Deutschland ist die Mitgliederzahl eher
stagnierend. Weltweit gibt es mehr als 360 Apostel.
Neben dem deutschsprachigen Raum ist sie besonders stark in Zentralafrika
(speziell Angola, Dem. Rep. Kongo und Sambia), Nordamerika, Australien
sowie in einigen asiatischen Ländern (hauptsächlich
Indien) verbreitet. Generell ist die Kirche aber in fast allen
Ländern der Erde vertreten.
In den 1830ern glaubte man in den katholisch-apostolischen Gemeinden,
durch zwölf neu berufene Apostel auf die erwartete Wiederkunft
Christi vorbereitet zu werden. Die Gemeinschaft geriet 1855 nach
dem Tod dreier Apostel in eine Krise, da man die vakant gewordenen
Plätze wegen fehlender biblischer Belege nicht wieder besetzte.
Daraus ging 1863 in Hamburg zunächst die "Allgemeine
christliche apostolische Mission" und später, ab 1878,
die "Neuapostolische Gemeinde" hervor (seit 1907 offizielle
Bezeichnung, seit 1930 "Neuapostolische Kirche"). Im
Verlauf der weiteren Entwicklung der NAK kam es zu zahlreichen
Abspaltungen. Beispiele sind (in Deutschland) der "Reformiert-Apostolische
Gemeindebund", die "Apostolische Gemeinschaft"
und die "Apostolische Gemeinde des Saarlandes". Auch
das Apostelamt Juda, aus dem wiederum das Apostelamt Jesu Christi
hervorging, entstand aus der Neuapostolischen Kirche.
Frühphase (1863-1878)
Der Großteil der Glieder der katholisch-apostolischen Gemeinde
zu Hamburg wurde nach der Anerkennung eines neugerufenen Apostels
aus der Gemeinde der katholisch-apostolischen Christen ausgeschlossen
(exkommuniziert). Wichtige Rollen spielten damals der Prophet
Heinrich Geyer, der die umstrittene Rufung vornahm, und der Bischof
und Engel der Gemeinde zu Hamburg Friedrich Wilhelm Schwarz. Der
letztere wurde später durch eine Weissagung aus der Gemeinde
zum Apostel gerufen und in die Niederlande geschickt, um dort
Gemeinden zu gründen. Er begründete dort die Apostolische
Zending; ein wesentlicher Teil dieser Gemeinschaft gründete
1893 die Hersteld Apostolische Zendingkerk. In der
Hamburger Gemeinde wurden weitere Apostel für Deutschland
und Europa bezeichnet, einer für Nordamerika.
Die deutsche Kirche (1878-1960)
Die anfänglich tief ökumenische Überzeugung, die
in den katholisch-apostolischen Gemeinden und auch noch von Heinrich
Geyer gepflegt wurde, wich mit den Jahren der starken Abgrenzung
gegenüber den anderen christlichen Konfessionen. Hierfür
sind sicherlich mehrere Gründe verantwortlich: Ausschlaggebend
wird gewesen sein, dass die theologische Bildung der Geistlichen
der Mutterkirche nicht mehr vorhanden war; nur wenige Geistliche
hatten noch in den katholisch-apostolischen Gemeinden Dienst getan.
Wesentlich für das Wachstum der Gemeinschaft wurden die sozial
schwächeren Schichten, aus denen später wichtige Amtsträger
hervorgingen. Auch nationalistische Anklänge finden sich
in dieser Zeit in den Gesangbüchern und theologischen Schriften.
Kennzeichnend ist in diesem Zeitraum die zunehmend hierarchische
Kirchenstruktur. Das charismatische Element der katholisch-apostolischen
Gemeinden, die Weissagungen, entfallen ebenso wie das Prophetenamt.
Neuapostolische Christen gelten in der Zeit der Weltkriege als
"ehrlich, aufrichtig, gewissenhaft und treu", wie vielen
alten Publikationen zu entnehmen ist. Dies ist auch das Leitbild
der Kirche in jener Zeit. Öffentlicher Widerstand gegen den
Staat wurde nicht geübt.
Eine tiefe Krise, aus der mehrere neue Gruppierungen hervorgingen
(vgl. Vereinigung Apostolischer Gemeinden), erlebte die Neuapostolische
Kirche in den letzten Amtsjahren des Stammapostels Johann Gottfried
Bischoff (verstorben 1960). Bischoff, der 1930 das Stammapostelamt
antrat, verkündigte, Christus werde noch zu seinen Lebzeiten
wiederkommen. Diese "Botschaft" genannte Aussage wurde
zum neuapostolischen "status confessionis". Amtsträger,
die diese öffentlich anzweifelten bzw. nicht lehrten, wurden
ihrer Ämter enthoben. Das prominenteste "Opfer"
war der designierte Nachfolger des Stammapostels, der rheinische
Bezirksapostel Peter Kuhlen (Stammapostelhelfer von 1948-1950).
Beitrittswillige wurden vielerorts erst nach einem Bekenntnis
zur "Botschaft" in die Kirche aufgenommen. Als Bischoff
starb und die Wiederkunft Jesu nicht eingetreten war, wurde seitens
des Apostelkollegiums geäußert, Gott habe "seinen
[durch Stammapostel Bischoff geäußerten] Willen geändert".
Die neue internationale Kirche (1960-heute)
Der Tod des Stammapostels Bischoff löste einen langsamen,
aber stetigen Wandel aus, der z. B. zur Formulierung der "Eigenverantwortung"
durch Stammapostel Hans Urwyler in den achtziger Jahren führte
(jedes Mitglied ist persönlich verantwortlich für sein
Seelenheil), oder zu den wenigen, aber kontinuierlichen Gesprächskontakten
mit Gruppierungen, die sich aufgrund der "Botschaft"
aus der Neuapostolischen Kirche gelöst haben. Auch eine vorsichtige
ökumenische Öffnung der NAK kann man in diesem Kontext
sehen. Strukturell verschieben sich die Mitgliederzahlen ganz
erheblich. Ist die NAK 1960 noch eine deutsch-europäische
Gemeinschaft mit Dependancen in einigen außereuropäischen
Ländern, so finden sich im Jahr 2005 nur noch etwa 5 % der
Mitglieder in Europa.
Die Neuapostolische Kirche sieht sich als Fortsetzung der urchristlichen
Kirche, ist auf die nahe Wiederkunft Christi und konsequent eschatologisch
ausgerichtet. Ziel der neuapostolischen Christen ist es, bei der
Wiederkunft Christi, zugehörig zur Brautgemeinde, in die
ewige Gemeinschaft mit Gott geführt zu werden. Das Glaubensbekenntnis
ist in zehn Glaubensartikeln festgeschrieben.
Nach dem Verständnis der Neuapostolischen Kirche ist für
die Vorbereitung der Seelen das durch göttliche Intervention
wiederaufgerichtete Apostelamt notwendig. Als Grundlage der Lehre
dient die Bibel und deren zeitgemäße Auslegung der
Apostel und des Stammapostels.
Die Neuapostolische Kirche kennt drei Sakramente: Wassertaufe,
Abendmahl und Versiegelung. Taufe und Versiegelung werden an jedem
Mitglied einmal vollzogen und gelten als heilsnotwendig. Beide
Sakramente zusammen bewirken die "Wiedergeburt" aus
Wasser und Geist und vermitteln die "Gotteskindschaft".
Durch die Taufe (mit Wasser) wird nach neuapostolischem Verständnis
"die erste und grundlegende Gnadenmitteilung an dem Menschen,
der an Christus glaubt" vollzogen. Sie bewirkt außerdem
die Abwaschung der "Erbsünde". Die Versiegelung
(Taufe mit Heiligem Geist) wird als Übermittlung Heiligen
Geistes verstanden. Sie geschieht nur durch Handauflegung und
Gebet eines lebenden Apostels.
Das Abendmahl wird in jedem Gottesdienst nach dem gemeinsam gesprochenen
"Unser Vater" und der Vergebung der Sünden gefeiert.
Es erinnert an den Opfertod Jesu. Am Abendmahl nehmen auch Kinder
und Säuglinge teil. Solange sie nicht in der Lage sind, die
Hostie in Empfang zu nehmen, empfangen die Eltern sie stellvertretend
für das Kind. Die Vergebung der Sünden spielt im neuapostolischen
Glauben eine wesentliche Rolle. Diese Handlung der Absolution
erteilen in der NAK die Apostel und priesterliche Ämter im
Auftrag der Apostel durch die Freisprache, die dem Abendmahl vorausgeht,
jeden Sonntag und Mittwoch oder Donnerstag.
Eine konfessionelle Besonderheit bietet die Lehre vom Entschlafenenwesen.
Danach finden sich Seelen nach ihrem Tod in verschiedenen Bereichen,
je nach dem Zustand ihrer Seele. Die Aufgabe der Christen ist
es nun, bei Gott für die Verstorbenen darum in Fürbitte
einzutreten, dass die Seelen ihre Bereiche verlassen und noch
unter die Gnade Jesu Christi kommen können. Die Kirche begründet
ihre Entschlafenenlehre u. a. mit 1. Korinther 15,29 und mit Verweisen
in den Apokryphen (nicht kanonisch). Dreimal jährlich findet
ein "Gottesdienst für Entschlafene" statt, bei
welchem den Seelen verstorbener Menschen die "Gnadenmittel
der Kirche" - so ihnen diese noch nicht zu Teil wurden -
in Taufe, Versiegelung und Abendmahl gespendet werden. Dazu werden
die sakramentalen Handlungen stellvertretend an zwei neuapostolischen
Amtsträgern, die den Verstorbenen als Medium dienen, durch
den Stammapostel bzw. die Bezirksapostel vollzogen. Das Abendmahl
wird in gleicher Weise jeden Sonntag in Gottesdiensten, die von
Bezirksaposteln oder vom Stammapostel geleitet werden, verstorbenen
"Berechtigten" (die vor Gott Gnade gefunden haben) gespendet.
Auftrag der Kirche
-
Die Neuapostolische Kirche versteht sich als die Kirche Christi
gleich den apostolischen Gemeinden zur Zeit der ersten Apostel.
Die Heilige Schrift und das zeitgemäß geistgewirkte
Wort bilden gemeinsam die Grundlage der Lehre, die darauf
ausgerichtet ist, den Erlösungsplan Gottes zu verkündigen
und gläubige Seelen auf die verheißene Wiederkunft
Christi vorzubereiten.
- Die Neuapostolische Kirche erkennt ihren Auftrag darin, allen
Menschen Gottes Wort und Gebote nahe zu bringen, die Sakramente
"Heilige Wassertaufe", "Heilige Versiegelung"
und "Heiliges Abendmahl" zu spenden und Segenshandlungen
durchzuführen. Sie betreut ihre Mitglieder und fördert
das neuapostolische Glaubensleben entsprechend ihrem Glaubensbekenntnis.
Das geschieht insbesondere in Form regelmäßiger Gottesdienste,
gewissenhafter Seelsorge und einer vom Geist der Nächstenliebe
getragenen Wohlfahrtspflege.
Die Bibel ist verbindliche Grundlage der Lehraussagen der NAK.
Bis 1998 wurde die Lutherbibel von 1912 verwendet, heute gilt
die Übersetzung der Lutherbibel von 1984. Nach einem aktuellen
Beschluss (November 2005) sind auch die apokryphen Bücher
fester Bestandteil neuapostolischer Lehre. In Predigten werden
zudem auch häufig andere Bibelübersetzungen zitiert
(Gute Nachricht, Elberfelder, Albrecht, Stuttgarter Erklärungsbibel
usw.).
Im Glaubensalltag der Neuapostolischen spielt die Bibel jedoch
eine eher untergeordnete Rolle. Auch gehören bibelorientierte
Lehrveranstaltungen und Gesprächskreise nicht zum regulären
Programm einer neuapostolischen Kirchengemeinde. Gesprächskreise
werden allerdings vereinzelt zu aktuellen Themen und Glaubensfragen
angeboten.
Innerkirchliche Arbeitsgruppen arbeiten jedoch an biblischen
Themen und publizieren die Ergebnisse in der kircheneigenen Zeitschrift
"Unsere Familie". Das Gesamtverständnis des Evangeliums
auf Grund der Auslegung der Bibel wird durch Apostel geprägt
und entspricht in etlichen konfessionsbestimmenden Ansichten nicht
den Auslegungen anderer Kirchen. Zunehmend weitet und vertieft
sich die Auffassung biblischer Inhalte, bezüglich der Authentizität
und dem Hintergrund- bzw. Sprachverständnisses, durch die
Verwendung von Quellen der großen Kirchen, was zu Korrekturen
von Lehraussagen führt.
7 Gottesdienst
und Praxis
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Von den in den Kirchenbüchern registrierten Mitgliedern
besuchen je nach Gemeinde 20 bis 100% regelmäßig die
Gottesdienste. Soweit das der Fall ist, beteiligen sie sich rege
am Gemeindeleben und zeichnen sich durch ein ausgeprägtes
Zusammengehörigkeitsgefühl aus. Es existiert eine ausgeprägte
Jugend- und Seniorenbetreuung. Zudem sind oft gepflegtes Auftreten
und formelle Kleidung üblich - die Frage nach der Form "angebrachter"
Kleidung ist aber oft Diskussionsthema und von Gebietskirche zu
Gebietskirche unterschiedlich.
Mit der beginnenden Öffnung der Kirche hat sich auch das
kulturelle Leben in der NAK entwickelt. Mittlerweile gibt es neben
traditionellen Kirchenchören, die in einigen Fällen
auch über Konfessionsgrenzen hinaus für ihre Qualität
bekannt sind, progressivere Musikgruppen und Ensembles, die zunehmend
auch im außerkirchlichen Bereich auftreten. Wesentlicher
Bestandteil der Musikliteratur sind dabei Werke, die im 19. Jahrhundert
oder später verfasst wurden.
Teile der neuapostolischen Musikliteratur werden derzeit überarbeitet
und durch Literatur aus anderen christlichen Kreisen ergänzt.
Seit Ostern 2005 ersetzt - zunächst nur im deutschsprachigen
Raum - das neue Gesangbuch das bis dahin verwendete von 1925.
Im Gespräch ist auch die Überarbeitung der für
Deutschland einheitlichen Chormappe; diese soll bis 2008 erfolgen.
Heute gibt es auch zahlreiche Linklisten, Chaträume, Internetforen,
private Internet-Auftritte und Kleinanzeigenseiten aus dem Umfeld
der Neuapostolischen Kirche oder von Mitgliedern.
Jugend in der Kirche
Bei der Neuapostolischen Kirche gibt es ähnlich der anderen
großen Kirchen Jugendtage. Einmal im Jahr findet in der
jeweiligen Gebietskirche ein Jugendtag statt. Veranstaltungsorte
sind Messehallen oder Stadthallen. Der Ablauf gliedert sich häufig
in zwei Teile. Vormittags findet ein Jugendgottesdienst statt,
der vom Bezirksapostel der Gebietskirche gehaltenen wird. Im Anschluss
gibt es ein gemeinsames Mittagessen. Nachmittags folgt die so
genannte Stunde der Jugend. Dort werden von Chor und Orchester
Lieder vorgetragen und von Jugendlichen religiöse Themen
in Form von Filmen, Bühnenstücken oder ähnlichem
präsentiert.
Innerhalb der Bezirke finden verschiedene Jugendaktivitäten
statt. Dazu zählen Jugendgottesdienste, regionale Jugenstunden,
Chorstunden, Sportveranstaltungen und Jugendfreizeiten.
Das neuapostolische Glaubensbekenntnis
1. Glaubensartikel: Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen
Schöpfer Himmels und der Erden.
2. Glaubensartikel: Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingeborenen
Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben, begraben, eingegangen in das Reich der
Entschlafenen, auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel,
sitzend zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters,
von dannen er wiederkommen wird.
3. Glaubensartikel: Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige
Apostolische Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der
Sünden, Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben.
4. Glaubensartikel: Ich glaube, dass der Herr Jesus seine Kirche
durch lebende Apostel regiert bis zu seinem Wiederkommen, dass
er seine Apostel gesandt hat und noch sendet mit dem Auftrag,
zu lehren, in seinem Namen Sünden zu vergeben und mit Wasser
und dem Heiligen Geist zu taufen.
5. Glaubensartikel: Ich glaube, dass sämtliche Ämter
in der Kirche Christi nur von Aposteln erwählt und in ihr
Amt eingesetzt werden und dass aus dem Apostelamt Christi sämtliche
Gaben und Kräfte hervorgehen müssen, auf dass, mit ihnen
ausgerüstet, die Gemeinde ein lesbarer Brief Christi werde.
6. Glaubensartikel: Ich glaube, dass die Heilige Taufe mit Wasser
ein Bestandteil der Wiedergeburt ist und der Täufling dadurch
die Anwartschaft zur Empfangnahme des Heiligen Geistes erlangt.
Sie ist ferner der Bund eines guten Gewissens mit Gott.
7. Glaubensartikel: Ich glaube, dass das Heilige Abendmahl zum
Gedächtnis an das einmal gebrachte, vollgültige Opfer,
an das bittere Leiden und Sterben Christi, vom Herrn selbst eingesetzt
ist. Der würdige Genuss des Heiligen Abendmahls verbürgt
uns die Lebensgemeinschaft mit Christo Jesu, unserem Herrn. Es
wird mit ungesäuertem Brot und Wein gefeiert; beides muss
von einem priesterlichen Amt der Kirche gesegnet und gespendet
werden.
8. Glaubensartikel: Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften
durch einen Apostel zur Erlangung der Gotteskindschaft den Heiligen
Geist empfangen müssen, wodurch sie als Glieder dem Leibe
Christi eingefügt werden.
9. Glaubensartikel: Ich glaube, dass der Herr Jesus so gewiss
wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist, und die Toten
in Christo sowie die lebenden Brautseelen, die auf sein Kommen
hofften und zubereitet wurden, verwandelt und zu sich nimmt, dass
er nach der Hochzeit im Himmel mit diesen auf die Erde zurückkommt,
sein Friedensreich aufrichtet und sie mit ihm als Könige
und Priester regieren. Nach Abschluss des Friedensreiches wird
er das Endgericht halten, wo alle Seelen, die nicht an der Ersten
Auferstehung teilhatten, ihr Teil empfangen, wie sie gehandelt
haben, es sei gut oder böse.
10. Glaubensartikel: Ich glaube, dass ich der weltlichen Obrigkeit
zum Gehorsam verpflichtet bin, soweit nicht göttliche Gesetze
dem entgegenstehen.
Liturgie
Die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche sind diszipliniert,
geregelt und formell. Die Liturgie der Neuapostolischen Kirche
entsprach anfänglich (bis etwa 1885) der der katholisch-apostolischen
Gemeinden, die starke Elemente des Ritus der katholischen und
anglikanischen Kirchen enthielt.
Unter dem Einfluss des niederländischen Calvinismus verlagerte
sich der gottesdienstliche Schwerpunkt um 1885 auf den Wortgottesdienst
(hoher Predigtanteil). Vereinzelt finden sich noch Rudimente der
katholisch-apostolischen Tradition in der neuapostolischen Liturgie.
Bis 1998 wurde das Abendmahl nur am Sonntag und kirchlichen Feiertagen
gefeiert, seit 1998 findet auch in den wöchentlichen Gottesdiensten
eine Abendmahlsfeier statt.
Schematischer Ablauf eines neuapostolischen Gottesdienstes:
Vor dem Beginn des Gottesdienstes:
- Chorgesang
- Orgelmusik
- Instrumentalmusik
- Organisatorische und/oder terminliche "Bekanntmachungen"
durch einen Amtsträger
- evtl. Schweigeminute
- Gemeindelied (Einzug des/der Apostel und/oder priesterlichen
Amtes/Ämter in das Kirchenschiff, der Dienstleiter nimmt
seinen Platz hinter dem Altar ein)
Gottesdienst
- Gebet des Dienstleiters
- Verlesen des Bibelwortes für den Gottesdienst
- Musikbeitrag (meistens Chorgesang, aber auch Gemeindelied,
Solo- oder Instrumentalstück)
- Predigt des Dienstleiters
- evtl. Musikbeitrag (meist Chorgesang)
- Predigten weiterer Amtsträger
Abendmahlsfeier
- Gemeindegebet Unser Vater
- Freisprache (Absolution - Vergebung der Sünden)
- Opfergebet
- Aussonderung des Abendmahls und Abendmahl für die Apostel/priesterlichen
Ämter
- Abendmahl (Ausgabe der Hostien) an die Gemeinde (währenddessen
Gemeindegesang und/oder Chorgesang)
- nur bei Gottesdiensten der Bezirksapostel und des Stammapostels:
Spendung des Abendmahls für die Entschlafenen
- anschließend eventuell Segenshandlungen, zum Beispiel:
Abschluss
- Dankgebet
- Schlusssegen
- Musikbeitrag (Gemeindegesang, Chorvortrag etc.)
Das Dienen der Amtsträger am Altar geschieht
in freier Predigt, ohne Manuskript. Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst
dienen die von der Kirchenleitung herausgegebenen Leitgedanken,
die das vorzulesende Textwort aus der Heiligen Schrift sowie einige
wenige weiterführende Gedanken dazu enthalten. Die beauftragten
Amtsträger vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes.
Jesus drückt es in der Bibel so aus: "Denn ihr seid
es nicht, die da reden, sonders eures Vaters Geist ist es, der
durch euch redet." Auf dieses alte Wort verlassen sich die
Amtsträger der Neuapostolischen Kirche auch heute.
Hierarchie
Kirchenleitung International
An der Spitze der Neuapostolischen Kirche steht seit dem 15.05.2005
Stammapostel Dr. Wilhelm Leber. Dessen Vorgänger war Richard
Fehr, der seit 1988 die Kirche in diesem Amt führte. Als
Stammapostel leitet er die Kirche von ihrem Hauptsitz in Zürich
aus. Wilhelm Leber ist Hamburger und der achte Stammapostel seit
Gründung der Kirche. Seine Stellung ist der vergleichbar,
die Petrus vor 2.000 Jahren innehatte.
Bezirksapostel leiten Gebietskirchen
Die engsten Mitarbeiter des Stammapostels sind die Bezirksapostel.
Sie leiten die jeweiligen Gebietskirchen. Weitere Apostel sind
ihnen zur Seite gestellt. Gemeinsam mit dem Stammapostel sorgen
sie für die weltweite Einheit der Glaubenslehre und der Seelsorge.
Internationale Konferenzen fördern die Einheit
Der Stammapostel und die Bezirksapostel kommen regelmäßig
zusammen, um Kirchenangelegenheiten von internationaler Bedeutung
zu beraten. Alle drei Jahre findet eine internationale Vollversammlung
sämtlicher Apostel statt.
Weitere Amtsträger unterstützen die Apostel
Bei der Erfüllung regionaler Aufgaben helfen den Aposteln
Bischöfe, Bezirksälteste und Bezirksevangelisten. Das
Zentrum des kirchlichen Lebens sind die einzelnen Gemeinden. Mit
ihrer Leitung beauftragen die Apostel Hirten, Evangelisten oder
Priester. Diese Gemeindevorsteher werden von weiteren Priestern
sowie Diakonen unterstützt.
Die Hierarchie umfasst in absteigender Reihenfolge drei Amtsgruppen
- Apostel: Stammapostel, Stammapostelhelfer, Bezirksapostel,
Apostel
- Priesterliche Ämter: Bischof, Bezirksältester, Bezirksevangelist,
Hirte, (Gemeinde-)Evangelist, Priester
- Diakone: Diakon (früher auch noch Unterdiakon).
Die NAK kennt in der Amtsgruppe der Apostel die Beauftragung
(Tätigkeit ohne Ordination) als "Bezirksapostelhelfer";
bei den priesterlichen Ämtern die Beauftragung als Vorsteher
(Leiter) einer Gemeinde (regulär werden Hirten / Evangelisten
/ Priester beauftragt) bzw. eines Bezirkes (in der Regel Bischöfe
/ Bezirksälteste / Bezirksevangelisten).
Alle Amtsträger sind Männer und Laien; sie arbeiten
bis zur Stufe des Ältesten in der Regel ehrenamtlich. Bischöfe
und Apostel (Apostel, Bezirksapostel und Stammapostel) sind oftmals
Angestellte der Kirche.
Eine Frauenordination ist in der Neuapostolischen Kirche nicht
bekannt. Jedoch nehmen Frauen Lehrtätigkeiten in der Vorsonntagsschule
(Kinder bis 6 Jahren), der Sonntagsschule, im Religions- und Konfirmandenunterricht
sowie leitende Aufgaben im Musikwesen wahr. Außerdem singen
Frauen im Gemeinde und Bezirckschor mit.
Jeder Funktionsträger unterliegt in seinem Handeln für
die NAK auch in Details oft noch den Weisungen des höhergeordneten
Amts- bzw. Funktionsträgers. Während über organisatorische
Fragen durchaus auch diskutiert wird, sind Fragen, die den Glaubensinhalt
und die damit verbundenen Glaubenslehren betreffen, nicht ausdiskutierbar
und keine bloße Ansichtssache. In diesen Punkten existiert
eine klare Linie. Verbreitungen anderer oder verfälschter
Lehren von Amtsträgern der Neuapostolischen Kirche werden
nicht toleriert. In einem solchen Fall geht ein Funktionsträger
teilweise seiner Amtsstellung verlustig, für einen hauptamtlich
tätigen Funktionsträger kann dies unter anderem auch
den Verlust der Rentenansprüche zur Folge haben.
Amtsinhaber können sich von ihrem freiwillig übernommenen
Auftrag vorübergehend beurlauben lassen oder ihn niederlegen.
Prominentes Beispiel in jüngerer Vergangenheit war der vormalige
Apostel Gerrit Sepers (NL), der am 1. Dezember 2004 sein Amt niederlegte.
Seine Begründung (gekürzt; voller Wortlaut: http://www.naktuell.de/1204/1204004.html):
"Der Grund meiner Rückgabe des Apostelamtes ist die
exklusive Lehre der Neuapostolischen Kirche entgegen meiner persönlichen
pluralistischen Vision. Wir können und dürfen unseren
Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist nicht in ihren Möglichkeiten,
Raum, Entfaltung usw. einschränken. Das geht weit über
unsere menschlichen Gedanken hinaus. Das Apostelamt in der Kirche
ist meines Erachtens nicht unbedingt heilsnotwendig, aber förderlich
oder wünschenswert."
Struktur
Der Hauptsitz der NAKI (Neuapostolische Kirche International),
als dem Verbund aller neuapostolischen Apostel, befindet sich
in Zürich.
Die Neuapostolische Kirche ist in Gebietskirchen aufgeteilt,
die - rechtlich selbstständig - von Bezirksaposteln geleitet
werden. In der Lehre sind die Bezirksapostel mit dem Stammapostel
verbunden. Mehrere Gebietskirchen können von einem Bezirksapostel
geleitet werden; sie werden dann als "Bezirksapostelbereich"
bezeichnet. In Deutschland gibt es 10 Gebietskirchen in 6 "Bezirksapostelbereichen".
Die Gebietskirche Österreich gehört mit der Gebietskirche
Schweiz zu einem "Bezirksapostelbereich". Rechtlich
sind die Gebietskirchen in Deutschland Körperschaften des
öffentlichen Rechts, in der Schweiz ein Verein.
Die Gebietskirchen sind in rechtlich unselbstständige Bezirke
untergliedert, die ihrerseits in ebenfalls rechtlich unselbstständige
Gemeinden aufgeteilt sind. Die Leitung eines Bezirkes bzw. einer
Gemeinde obliegt einem Bezirks- bzw. Gemeindevorsteher. Zehn bis
dreißig Gemeinden bilden einen Bezirk. Ein Apostel und ein
Bischof betreuen in der Regel drei bis sechs Bezirke.
Finanzen
Die Neuapostolische Kirche finanziert sich aus Spenden (so genannten
Opfern) der Mitglieder. Die Spenden sind freiwillig und werden
anonym in den Opferkasten (Opferstock) gelegt. Eine Orientierung
am Zehnten (vgl. 4. Mose 18, 24) wird empfohlen. Eine Kirchensteuer
wird, obwohl in Deutschland rechtlich möglich, nicht erhoben.
Die internationale Kirche wird durch Umlagen der Gebietskirchen
finanziert, sie organisiert auch die Unterstützung finanzschwächerer
Gebietskirchen durch finanzstärkere. Seit kurzem werden Jahresabschluss,
Ein- und Ausgaben in der kircheneigenen Zeitschrift "Unsere
Familie" in stark zusammengefasster Form veröffentlicht.
Die Kirche ist bestrebt, mit einem möglichst kleinen Verwaltungsapparat
auszukommen. Der weitaus größte Teil der Einnahmen
fließt in den Bau und Unterhalt der Kirchengebäude,
kommt also unmittelbar wieder den einzelnen Gemeinden zugute.
Auch für die Missionstätigkeit wird ein beträchtlicher
Teil des Kirchenbudgets aufgewandt. Darüber hinaus erbringt
die Kirche humanitäre Hilfsleistungen und unterstützt
Hilfsaktionen in Katastrophenfällen. Die Kontrolle der kirchlichen
Einnahmen und Ausgaben nehmen unabhängige Wirtschaftsprüfer
vor. Staatliche Zuschüsse werden nicht in Anspruch genommen.
Karitative Hilfsmaßnahmen werden über Sonderopfer (Dankopfer
zum Erntedankfest) und Spenden an das Hilfswerk der Neuapostolischen
Kirchen Deutschlands "NAK-Karitativ" unterstützt.
Neutralität
Die Neuapostolische Kirche enthält sich politischer Stellungnahmen.
Sie erwartet von ihren Gläubigen, die Gesetze und staatsbürgerlichen
Pflichten ihres Landes zu erfüllen, soweit göttliche
Gesetze dem nicht entgegenstehen. Die Kirche legt Wert auf offene
und vertrauensvolle Beziehungen zu Regierungen, Behörden
und zur Öffentlichkeit. Neuapostolischen Christen steht es
frei, sich im öffentlichen Leben zu betätigen.
Weitere kirchliche Einrichtungen
Der kircheneigene Verlag Friedrich Bischoff (gegründet von
Johann Gottfried Bischoff, dem Vater des Namensgebers) hat seinen
Sitz in Frankfurt am Main. In Bielefeld befindet sich die zentrale
Hostienbäckerei. Eine weiter Hostienbäckerei befindet
sich in Kapstadt, diese versorgt teile Afrikas mit Hostien. Der
Sitz von NAK-Karitativ, Förderverein für karitative
Projekte der Neuapostolischen Kirchen Deutschlands e. V., befindet
sich in Dortmund. Eine neuapostolische Einrichtung für ältere
Menschen befindet sich in Fröndenberg.
Außerhalb Deutschlands (z. B. in Ländern wie Portugal,
Indien und Südafrika) gibt es zahlreiche weitere kirchliche
Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Waisenhäuser,
die teilweise von NAK-Karitativ betreut, teilweise auch von den
örtlichen Gebietskirchen finanziert werden. Das Hilfswerk
"Jugend hilft Jugend" der NAK Nordrhein-Westfalen betreut
Projekte für benachteiligte Jugendliche im Ausland. So ist
in Südafrika vor kurzem das zweite "Amazing Grace"
Kinderheim offiziell eröffnet worden
In den deutschen Bundesländern bestehen regionale Arbeitsgemeinschaften
christlicher Kirchen. Der bundesweiten "Arbeitsgemeinschaft
christlicher Kirchen in Deutschland" (ACK) gehören die
24 evangelischen Landeskirchen Deutschlands, die römisch-katholische
Kirche und vier orthodoxe Kirchen sowie weitere neun freikirchliche
Denominationen an. Weitere fünf Glaubensgemeinschaften sind
als Gastmitglieder und ständige Beobachter angeschlossen.
Die neuapostolische Kirche ist weder im Ökumenischen Rat
der Kirchen noch in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
(ACK) vertreten und arbeitet auch nicht in der Evangelischen Allianz
mit, wobei in alle Gemeinschaft mitlerweile Aufnahme anträgen
oder Annäherungen bestehen, doch noch keine Akzeptanz für
die NAK vorhanden ist.
Aus Sicht der neuapostolischen Kirche besteht die Möglichkeit,
dass ein neuapostolischer Christ am Abendmahl einer anderen Konfession
teilnimmt. Die Teilnahme an der Abendmahlsfeier in den Gottesdiensten
der NAK ist für Mitglieder und Gäste vorgesehen. Jedoch
wird dies nicht kontrolliert und faktisch wird niemandem die Teilnahme
verwehrt. Die neuapostolische Taufe wird von der katholischen
und den evangelischen Kirchen anerkannt, da sie trinitarisch vollzogen
wird; auch die neuapostolische Kirche erkennt ihrerseits seit
einigen Jahren jede in einer anderen Kirche trinitarisch vollzogene
Wassertaufe als gültiges Sakrament an. Zur vollen Wirksamkeit
einer Verbindung mit Gott im neuapostolischen Glauben ist jedoch
noch eine Versiegelung, d.h. die Spendung des Heiligen Geistes
durch einen Apostel, erforderlich.
Nicht anerkannt werden die Taufen der Mormonen und Zeugen Jehovas,
da diese nicht rite (= trinitarisch / im Namen des Dreieinigen
Gottes) vollzogen werden. Früher mussten Taufen anderer christlicher
Konfessionen noch einmal von einem neuapostolischen Geistlichen
"bestätigt" werden. Dies ist jetzt nicht mehr üblich,
weil, so sinngemäß die Aussagen des Stammapostels,
eine Sache, die jenerzeit noch nichts galt, auch nicht bestätigt
werden kann.
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