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Die Kirche behauptet, in ihrer Lehre auf das ursprüngliche
Christentum
zurückzugreifen. Viele Ausprägungen anderer christlicher
Gemeinschaften betrachtet sie als nicht ursprünglich und
daher als unrichtig. Hier liegt der Grund, warum sich die Kirche
in ökumenischen Bemühungen nicht einbringt. Ein Dialog
zum gegenseitigen Verstehen mit anderen und auch nichtchristlichen
Religionsgemeinschaften soll hingegen gepflegt werden. Die Kirche
bezeichnet sich selbst als die "einzig vollständig wahre
Kirche auf Erden".
Die Kirche glaubt, durch fortlaufende Offenbarung von Jesus
Christus direkt angeleitet zu werden. Dies geschehe durch Propheten,
Apostel und andere Kirchenführer. Darüber hinaus erklärt
sie, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf habe, für seinen
persönlichen Bereich und kirchliche Aufgaben (zum Beispiel
auf Gemeinde-Ebene) direkte göttliche Offenbarung zu empfangen.
Das Fortlaufen der Offenbarung impliziert auch, dass der Schriftenkanon
nicht abgeschlossen ist. So wie Gott damals zu den Propheten des
Alten Testaments gesprochen hat, so ist es Gott möglich, auch
heute noch in den beschriebenen Weise zu den Menschen zu sprechen
Als kanonische Schriften anerkennt die Kirche das Buch Mormon,
die Bibel
mit Altem und Neuem Testament sowie Lehre und Bündnisse und
die Köstliche Perle. Dieser Schriftenkanon ist nicht abgeschlossen,
da die Kirche für sich in Anspruch nimmt, fortgesetzt Offenbarung
zu erhalten, die dann gegebenenfalls (jedoch eher selten) als
Erweiterung in den Kanon einfließt.
Der Wert der Bibel
wird relativiert, da sie als nicht vollständig überliefert
und durch Übertragungsfehler teilweise entstellt angesehen
wird, was auch damit begründet wird, dass es heutzutage etliche
Bibelübersetzungen gibt, die teilweise unterschiedlich interpretiert
werden können. Dazu gibt es die sogenannte Joseph-Smith-Übersetzung,
eine stellenweise Ergänzung und Neuinterpretation der King-James-Bibel.
Die Joseph-Smith-Übersetzung konnte jedoch durch den Tod
von Joseph Smith nicht fertiggestelllt werden und erhebt daher
auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Für die englische Sprache wird in der Kirche eine eigene
Ausgabe der King-James-Bibel verwendet, in der als Fußnoten
bzw. als Anhang die Übersetzungen von Joseph Smith aufgenommen
sind. Außerdem enthält sie Querverweise zu anderen
kanonischen Schriften der Kirche. Die Fußnoten sind ähnlich
zu den Bibelkommentaren anderer Bibelanstalten.
Deutschsprachige Mitglieder benutzen heute im offiziellen Gebrauch
die Einheitsübersetzung der Bibel.
Daher finden sich wesentliche Teile der Joseph-Smith-Übersetzung
im Schriftenführer, der im Zuge der deutschsprachigen Neuausgabe
2003 in die Dreifachkombination (Buch Mormon, Lehre und Bündnisse
und Köstliche Perle in einem Band) aufgenommen wurde.
Die Kirche sieht den Zweck der Erde darin, den Menschen, die
alle Geistkinder Gottes seien, einen Ort weiteren Lernens in der
Körperlichkeit zu verschaffen. Damit sei auch ein vorübergehendes
Vergessen eines vorirdischen Daseins als Geistwesen verbunden.
Die Menschen beteiligen sich an diesem Plan, indem sie durch das
Zeugen von Kindern Geistwesen das Erdenleben ermöglichen.
Jeder Mensch könne sich immer entscheiden, ob er das Gute
oder das Böse tun wolle. Allerdings seien die natürlichen
und für die Entwicklung notwendigen Schwächen die Ursache
dafür, dass jeder Mensch Falsches tue, also sündige.
Damit sei er verunreinigt und aus eigener Kraft nicht im Stande,
in die Gegenwart Gottes zurückzukehren.
Jesus
Christus habe durch sein Sühnopfer allen Menschen die
Möglichkeit gegeben, von ihren Sünden umzukehren und
nach allem, was sie selbst tun können, aus Gnade errettet
zu werden. Dazu sei die Taufe durch einen dazu Bevollmächtigten
unerlässlich. Diese Taufe kann frühestens nach Vollendung
des 8. Lebensjahres vollzogen werden, mit der Begründung,
dass sonst keine wirksame Entscheidung des Täuflings möglich
sei. Die Kirche kritisiert vor diesem Hintergrund scharf die in
ihren Augen nichtige Kindertaufe der großen christlichen
Kirchen.
Nach dem Tod habe der Mensch den Körper verloren, lebe aber
als Geistwesen weiter und könne weiter lernen. Wer im Erdenleben
die gültige Taufe durch einen Priester der Kirche nicht empfangen
habe, für den könne dieses Sakrament stellvertretend
von einem Lebenden empfangen werden (siehe Totentaufe).
Am Ende der Entwicklung stehe die Auferstehung mit dem Jüngsten
Gericht, in dem Jesus
Christus jedem die ihm gebührende Herrlichkeit zuteilen
werde: Dies sind nach der Lehre der Kirche das Celestiale Reich
mit der größten Herrlichkeit (Gegenwart Gott Vater),
das Terrestriale Reich (Gegenwart von Jesus
Christus) als mittleres und das Telestiale Reich (Wirkung
des Heiligen Geistes) als niederstes. Nur wer bewusst Gott leugnet,
obwohl er ihn erkannt haben soll, der werde in die äußerste
Finsternis gestoßen werden und ein Sohn des Verderbens werden.
Mehr dazu siehe unter Reiche der Herrlichkeit.
Die Kirche erklärt, dass nur jemand, der die Vollmacht von
Jesus
Christus bekommen habe, in seinem Namen sprechen und heilige
Handlungen durchführen dürfe. Die ersten Bevollmächtigten
seien die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes. Sie seien Joseph
Smith als auferstandene Wesen erschienen und hätten ihm diese
Vollmacht übertragen. Von Joseph Smith ausgehend sei sie
von Generation zu Generation in ungebrochener Linie weitergegeben
worden. Nach Meinung der Kirche habe niemand ausserhalb dieser
Apostolischen Sukzession diese Vollmacht.
In Lehre und Bündnisse, Abschnitt 115 Vers 4, schreibt Joseph
Smith am 26. April 1838 als Offenbarung von Gott: "denn so
soll meine Kirche in den letzten Tagen genannt werden, nämlich:
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage." Bei ihrer
Gründung am 6. April 1830 hieß sie noch "Die Kirche
Christi". Dieser Name wurde jedoch am 3. Mai 1834 durch den
einstimmigen Beschluss der Kirchenführung in »Die Kirche
der Heiligen der Letzten Tage« geändert. Eine letzte
Änderung erfolgte am 26. April 1838: der Name Jesu Christi
wurde wieder eingefügt.
Durch den Namen wird verdeutlicht, dass in der Kirche Jesus
Christus im Mittelpunkt stehen soll und auch, dass es sich
um die wiederhergestellte "Kirche Jesu Christi" aus
dem Neuen Testament handele. Die Formulierung "der Letzten
Tage" unterscheidet namentlich die Kirche von eben dieser
ursprünglichen "Kirche Jesu Christi" in neutestamentlicher
Zeit. Smith sah mit seiner Mission die Endzeit eingeläutet,
an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang glaubte er allerdings,
soweit festzustellen, nicht.
2
Entstehung und Geschichte
|
|
Die Kirche entstand im ländlichen Norden des Staates New
York am Anfang des 19. Jahrhunderts, als diese Gegend noch zivilisatorisches
Neuland war. Die dort lebende Bevölkerung war im wesentlichen
protestantisch und bibelgläubig, gehörte aber oft keiner
Kirche an. Auch abergläubische Vorstellungen waren weit verbreitet.
Manchmal bekannten sich verschiedene Familienmitglieder zu unterschiedlichen
Konfessionen
Der spätere Gründer, Joseph Smith jun., erklärte,
im Jahre 1820 nach einem Gebet über die Frage, welche Kirche
die wahre sei, eine Vision gehabt zu haben. In dieser so genannten
Ersten Vision seien ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen.
Diese hätten ihm mitgeteilt, dass alle zu jener Zeit bestehenden
Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen dürfe.
In den Jahren von 1823 bis 1827 habe er weitere Erscheinungen
gehabt, diesmal von einem Engel namens Moroni, der ihm den Auftrag
gegeben habe, das Buch Mormon von goldenen Platten, die seit Jahrhunderten
in einem von Moroni Cumorah genannten nahen Hügel lagerten,
zu übersetzen, wozu Smith die bei den Platten aufbewahrten
"Sehersteine" Urim und Tummim zu Hilfe genommen haben
will. Das Buch wurde 1830, kurz vor der Gründung der Kirche,
erstmals veröffentlicht.
1829 sei Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery der
auferstandene Johannes der Täufer erschienen und habe ihnen
mit dem Aaronische Priestertum mit der Vollmacht gegeben, zu taufen.
Einige Wochen später seien die Apostel Christi Petrus, Jakobus
und Johannes erschienen und hätten ihnen das Melchisedekische
Priestertum übertragen, wodurch der Weg für die "Wiederherstellung"
der Kirche Jesu Christi frei gemacht worden sei. Die formelle
Gründung erfolgte am 6. April 1830 mit Joseph Smith als "erstem
Ältesten" und Präsidenten und Oliver Cowdery als
"zweitem Ältesten", Hyrum und Samuel Smith (Brüder
von Joseph), sowie Peter Whitmer jun. und David Whitmer als eingetragene
Mitglieder.
Die Kirche fand rasch glühende Anhänger und erbitterte
Gegner. Bereits im Jahre 1830 sandte Joseph Smith seinen Bruder
Samuel als ersten Missionar aus. Relativ viele Menschen aus dem
Umland schlossen sich der neuen Kirche an. Gegner der Kirche griffen
zu Mitteln wie Boykott und Anzeigen, aber auch teilweise zu Tätlichkeiten.
Aus dieser Zeit stammen die ersten Zeitungsartikel und Flugblätter,
die sich auch gegen Joseph Smiths Persönlichkeit richteten.
| 2.2
Kirtland und Missouri (1830-1840) |
|
Wegen dieser unerquicklichen Umstände verlegte Joseph Smith
den Hauptsitz der Kirche bereits 1831 nach Kirtland in Ohio. Dies
bedeutete den Umzug der meisten Mitglieder unter Verlust ihrer
Farmen und Geschäfte, die sie im noch kaum besiedelten Ohio
neu aufbauten.
In Kirtland errichtete die Kirche ihren ersten Tempel, in dem
Joseph Smith 1836, wie er in Lehre und Bündnisse Abschnitt
110 ausführt, weitere Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln,
erhalten haben will. 1834 war das "Kollegium der zwölf
Apostel" als Führungsgremium unter Joseph Smith als
Propheten in Leben gerufen worden.
Aufgrund des Zusammenbruchs der "Kirtland Safety Society
Anti-Banking Company", eines von Joseph Smith privat gegründeten
Kreditinstitutes im Jahr 1837, verloren viele, auch führende
Mitglieder der Kirche, viel Geld. Dies veranlasste eine größere
Anzahl, das göttliche Mandat Joseph Smiths nicht nur zu bezweifeln,
sondern als Lüge zu bekämpfen.
Bereits 1831 hatte sich Joseph auch nach Missouri damals
die Grenze der USA im Westen orientiert und dort Kircheneinheiten
gegründet. Er wollte die Kirche langfristig zentral dorthin
verlegen und steckte in der Stadt Far West bereits einen Platz
für einen weiteren Tempel ab. Nach blutigen Verfolgungen
im Jahr 1833 flohen die dortigen "Heiligen", wie sie
sich nannten, in nördlichere Kreise des Staates Missouri.
Nach dem Zusammenbruch von Kirtland musste Smith mit seinen Getreuen
Ohio verlassen und folgte den "Heiligen" nach Missouri.
Dort wurde Joseph Smith 1838 verhaftet und gemeinsam mit mehreren
Mitarbeitern unter Arrest gestellt.
Durch Gegner der Kirche aufgehetzt, erließ Gouverneur Lilburn
Boggs 1838 einen Ausrottungsbefehl, der besagte, die Mormonen
müssen aus dem Staat vertrieben oder vernichtet werden.
Die "Heiligen" wurden in Illinois aufgenommen und gründeten
dort als neuen Anfang am Ufer des Mississippi am Ort Commerce die
Stadt, die sie dann Nauvoo nannten. Von dort aus begann das Missionswerk
in alle Welt, besonders nach Europa. Wieder wurde ein Tempel gebaut.
Nauvoo erhielt einen Sonderstatus, praktisch als Stadtstaat mit
eigener Miliz, der Nauvoo Legion.
1842 wurde in Nauvoo die Frauenhilfsvereinigung als Organisation
der Frauen in der Kirche unter der Leitung von Emma Smith, der
Ehefrau des "Propheten", gegründet.
Nach der Zerstörung der Druckerpresse der mormonenkritischen
Zeitung "Nauvoo Expositor" dieser prangerte in
seiner einzigen erschienenen Ausgabe vor allem die heimliche Polygamie
der Kirchenführer an durch einen vom Bürgermeister
Joseph Smith beauftragten Marshall, entzündete sich der Volkszorn
umliegender Gemeinden gegen die Kirche. Dies gipfelte schließlich
in der Ermordung von Joseph Smith und seines Bruders Hyrum durch
einen Mob am 27. Juni 1844. Über der Nachfolgefrage entstand
ein heftiger Streit, der zu einer Reihe von Abspaltungen führte.
Der dienstälteste Apostel, Brigham Young, übernahm die
Führung des Hauptteils der Mitglieder. Die meisten der anderen
Fraktionen wiedervereinigten sich wesentlich später (ab 1860)
zur RLDS-Kirche, die sich seit 2001 Gemeinschaft Christi nennt.
Schon Joseph Smith hatte sich mit der Frage beschäftigt, ob
die Kirche nicht in eine menschenleere Gegend ziehen solle, um weiteren
Verfolgungen zu entgehen. Dies realisierte Brigham Young mit dem
(vorzeitig erzwungenen) Auszug fast aller "Heiliger" aus
Nauvoo und deren Übersiedlung in das Tal des Großen Salzsees
in den Rocky Mountains.
Im Selbstverständnis der Kirche ist dies das große,
teils tragische, teils glorreiche Epos der Heiligen der Letzten
Tage, auf das in Reden, Theaterstücken und Filmen immer wieder
Bezug genommen wird. (Zitat eines Mitglieds der Kirche.)
Salt Lake City, seither Hauptsitz der Kirche, wurde mit Ankunft
von Brigham Young am 24. Juli 1848 praktisch gegründet.
2.5
Konsolidierung in Salt Lake City (1850-1896)
|
|
Zunächst wurde das neue Territorium erschlossen. Bald wurden
aber auch wieder Missionare ausgesandt, die vor allem im Osten der
USA, in Kanada und Europa versuchten, Menschen von der Wahrheit
ihrer Lehren zu überzeugen. Dazu gehörte damals auch die
Sammlung in Zion, das Auswandern in den neu gegründeten
"Staat Deseret". Mit den Neuankömmlingen und der
starken Vermehrung, bedingt durch das religiös begründete
Ausüben einer (Mehrehe), welches ab 1852 auch öffentlich
geschah, wuchsen Zahl der Mitglieder und Einfluss der Kirche.
Die frühe Geschichte von Utah und die des "Staates
Deseret" wurden sehr stark durch die Kirche geprägt.
In diesem Zusammenhang steht auch der Utah-Krieg von 1857.
Verbunden mit der Sklavenfrage kämpfte die amerikanische
Innenpolitik gegen die Vielehe und erschwerte durch immer restriktivere
Gesetze diese Praxis der Kirche. Die Durchsetzung des Rechts führte
zu Massenverhaftungen von Mitgliedern und groß angelegten
Beschlagnahmungen von Kircheneigentum, wie z.B. Grundstücken
und Kirchengebäuden. Als Reaktion darauf erklärte im
Jahr 1890 der damalige Präsident und Prophet Wilford Woodruff
die Vielehe als nicht mehr akzeptabel in der Kirche (siehe Amtliche
Erklärung Nr. 1 im Buch Lehre und Bündnisse). Dies war
ein wesentlicher Faktor dafür, dass 1896 Utah die Eigenständigkeit
als Bundesstaat zugebilligt wurde. Aber erst unter der Präsidentschaft
von Joseph F. Smith (1901-1918), dem Neffen des Gründers,
konnte innerhalb der Kirche die Polygamie vollständig abgeschafft
werden. Zu dieser Zeit kam es auch zu weiteren Abspaltungen, welche
die Polygamie teilweise bis heute noch leben.
2.6
Weltweite Ausbreitung (seit 1900)
|
|
Nach der rechtlichen Anerkennung und der finanziellen Konsolidierung
und noch einmal verstärkt seit dem Ersten Weltkrieg begann
die Kirche, sich international zu positionieren. Zu dieser Zeit
wurde auch die Auffassung aufgegeben, dass sich möglichst alle
Mitglieder in Utah sammeln sollen. Stattdessen erhielten die Mitglieder
den Auftrag, die Kirche in den Gegenden der Welt aufzubauen, in
denen sie zu Hause sind.
Bis 1978 konnten Männer mit schwarzafrikanischer Herkunft
das Priestertum nicht bekommen und folglich auch keine Führungsaufgaben
übernehmen. Sie durften auch nicht den Tempel besuchen und
konnten keine Tempelrituale empfangen. Somit war es ihnen nicht
möglich, die Voraussetzungen für das Erlangen der höchsten
Erfüllung des mormonischen Glaubens zu erreichen. Veranlasst
durch großen Zulauf von Bekehrten mit schwarzafrikanischer
Herkunft in Brasilien erließ Präsident Spencer W. Kimball
die Amtliche Erklärung Nr. 2 (siehe Lehre und Bündnisse),
die besagt, dass nunmehr alle Männer, unabhängig von
ihrer "rassischen Herkunft", das Priestertum erhalten
können.
Mittlerweile hat die Kirche mehr als 12 Millionen Mitglieder
(Stand 2004), von denen mehr als die Hälfte außerhalb
der USA leben. Wichtige Schwerpunkte sind Lateinamerika und Afrika.
Ein Zeichen für die stärkere internationale Präsenz
der Kirche ist der seit ca. 1990 massiv gesteigerte Bau von Tempeln
der Kirche. Während die Kirche in Osteuropa ein starkes (Nachhol-)Wachstum
aufweist, ist die Mitgliederzahl in den westeuropäischen
Industriestaaten eher rückläufig oder stagnierend.
In allen Kirchenebenen werden Mitglieder in Ämter berufen.
Eine Berufsgeistlichkeit gibt es nicht, auch keine schulische Ausbildung
zum Geistlichen.
In der Kirche herrscht strenge Hierarchie, die aber zeitlich
stark wechselt und flexibel den Gegebenheiten der Zeit und des
Ortes angepasst werden kann. Niemand kann sich um ein Amt bewerben,
sondern man wird in ein Amt berufen, nach Überzeugung der
entsprechenden Verantwortlichen, stützt sich die Auswahl
eines bestimmten Funktionsträgers auf persönliche Offenbarung
an denjenigen, der ihn beruft. Wer wen in welcher Organisationsebene
zu berufen hat, ist genau festgelegt. Nachdem jemand ausgewählt
wurde, wird er oder sie in einem vertraulichen Gespräch vom
Verantwortlichen gefragt, ob er das Amt annimmt. Ist dies der
Fall, wird er in einer öffentlichen Versammlung den betroffenen
Mitgliedern zur Zustimmung vorgelegt. Durch Handaufheben erkären
sich die Mitglieder mit der Berufung einverstanden und verpflichten
sich, die Person in ihrer neuen Berufung zu unterstützen.
Sie haben auch die Möglichkeit sich ebenfalls durch Aufheben
der Hand dagegen auszusprechen. Auch der Prophet wird so bestätigt.
(Extrem selten wurde bisher eine Berufung wegen Verweigerung der
Zustimmung nicht wirksam.)
Dieser Grundsatz gilt nur für die Kirche in ihrer seelsorgenden
Funktion selbst, nicht für von ihr gegründete, unterstützende
Organisationen, wie beispielsweise das Bildungswesen der Kirche
oder die Bereiche Verwaltung, Bauwesen, Lehrmittelherstellung,
Übersetzung usw., die professionelle, vollzeitige berufliche
Arbeit erfordern.
Berufungen werden, mit Ausnahme der Funktion des Propheten und
der Apostel, die bis zum Lebensende währen, für begrenzte
Zeit ausgesprochen. Dadurch wechselt die Position eines Mitgliedes
in der Hierarchie üblicherweise mehrmals im Leben und kann
von Aufgaben auf Gemeindeebene durchaus zu Aufgaben auf Weltebene
und wieder zurück führen.
Auch wenn Frauen nicht das Priestertum tragen können, haben
sie dennoch Führungsaufgaben auf allen Ebenen inne, allerdins
unter der Führung von männlichen Priestertumsführern.
In der Führung der Kirche spielt der Grundsatz der Offenbarung
eine sehr wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass jeder ganz persönlich
im Zwiegespräch mit Gott Antwort auf Fragen und Hilfe beim
Lösen von Problemen erhalten könne, aber nur bezogen
auf seinen Verantwortungsbereich. So könne beispielsweise
ein Gemeindeleiter Offenbarung bezüglich Fragen in der Leitung
der Gemeinde, aber nicht für die gesamte Kirche erhalten.
In dieser Lehre manifestiert sich wiederum die streng geordnete
Hierarchie der Kirche. Wenn sich jeder Amtsträger in seinen
Entscheidungen darauf beruft, er habe ein Anrecht auf Offenbarung
und er habe solche Offenbarung auch erhalten, ist im Rahmen der
Organisation eine "Reform von unten" oder gar eine "Revolution
von unten" undenkbar.
Weltebene
Regionale Ebene

Lokale Ebene

Ein wesentlicher Teil des Kirchenlebens spielt sich in für
diesen Zweck errichteten Gemeindehäusern ab. Sie sind für
alle Veranstaltungen allgemein zugänglich. Neben den Gottesdiensten
finden dort gesellige Veranstaltungen von Ballspielen bis zu Theaterstücken
und Tanzabenden statt. Die Gemeinden sind überschaubar gehalten
und umfassen nicht mehr als 500 Mitglieder.
Ein weiterer Ort für das Kirchenleben sind die Tempel. Sie
sind Mitgliedern vorbehalten, die sich zuvor bereit erklärt
haben, nach den Grundsätzen der Kirche zu leben und von ihrem
Bischof und ihrem Pfahlpräsidenten für würdig befunden
wurden.
Ansonsten beeinflusst die Kirche das Familienleben sehr stark.
Hat jemand den Wunsch, ein Mitglied der Kirche zu werden, so muss
er zunächst in den grundsätzlichen Lehren unterrichtet
werden, welche Aufgabe normalerweise Missionare übernehmen.
Danach wird der Taufklandidat eine Unterredung mit einem führenden
Missionar haben, um sicherzustellen, dass er die Lehre in ihren
Grundzügen verstanden hat, dass er weiß, welche Gebote
er in Zukunft zu halten hat und dass er von bisherigen Sünden
umgekehrt ist. Bei schwerwiegenden Übertretungen (z.B. Verwicklung
in eine Abtreibung, egal ob Frau oder Mann) muss der Missionspräsident
die Umkehr feststellen.
Ist geklärt, dass der Kandidat in Zukunft ein Leben nach
den Grundsätzen der Kirche führen will und seine bisherigen
Verfehlungen gegen Gottes Gebote soweit möglich bereut und
bereinigt hat, so wird er zur Taufe zugelassen.
Die Taufe wird durch vollständiges Untertauchen von einem
bevollmächtigten Priestertumsträger im Beisein von mindestens
zwei Zeugen vollzogen. Durch die Taufe wird der Täufling
von allen früheren SÜnden, sofern er davon umgekehrt
ist, befreit. Vollständig wird der Kirchenbeitritt erst durch
die üblicherweise einige Tage später ausgeführte
Spendung des Heiligen Geistes durch Auflegen der Hände von
mehreren Trägern des Melchisedekischen Priestertums. Dabei
wird auch die Mitgliedschaft wörtlich bestätigt.
Der übliche Gottesdienst am Sonntag umfasst:
-
Die Abendmahlsversammlung (ca. 70 min)
Dies ist der wichtigste Teil des Gottesdienstes. Hier wird
das Abendmahl in Form von Wasser und Brot gereicht, es werden
Kirchenlieder gesungen und es gibt einige Predigten von Mitgliedern,
männlich und weiblich, auch von Jugendlichen. Ursprünglich
wurde das Abendmahl mit Wein gefeiert, doch wurde nach Einführung
des "Wortes der Weisheit", der Wein durch Wasser
ersetzt. Familien nehmen komplett daran teil. Priestertumsträger,
die während des Gottesdienstes heilige Handlungen vollziehen,
sollen anständig und konservativ gekleidet sein (In Deutschland
z.B.: Anzug, weißes Hemd und Krawatte), so dass sie
die Würde des Anlasses unterstreichen und nicht von der
heiligen Handlung ablenken. Frauen sollen vorzugsweise Röcke
oder Kleider statt Hosen tragen, um ihre Weiblichkeit zu betonen.
-
Sonntagschule (40 min)
Hier gibt es unterschiedliche Klassen für Erwachsene,
Jugendliche und für interessierte Außenstehende.
Es werden Themen aus den Schriften, Aussagen von Propheten
und anderer Kirchenführer besprochen.
-
Kollegiumsversammlung (50 min)
Hier treffen sich die Priestertumsträger nach Kollegien
getrennt: "Diakone" (12 bis 14 Jahre), "Lehrer"
(14-16 Jahre), "Priester" (16-18 Jahre), "Älteste
und Hohepriester" (ab 18 Jahre). Ebenso treffen sich
die Frauen in der Frauenhilfsvereinigung und die Mädchen
von 12-18 Jahren in den Versammlungen der Jungen Damen. Hier
werden die Lehren speziell für die Gruppe besprochen
und diskutiert.
-
Primarvereinigung (während Sonntagschule und
Kollegiumsversammlung)
Dies ist die wesentliche religiöse Erziehung der Kinder
bis 12 außerhalb der Familie nach Altersgruppen getrennt.
Die öffentlichen und die persönlichen Gebete richten sich
stets an den "Himmlischen Vater" und werden mit "Im
Namen Jesu Christi, Amen" beendet. Wenn ein öffentliches
Gebet gesprochen wird, dann ist es üblich, dass die Anwesenden
nach der Beendigung des Gebetes mit "Amen" zustimmend
antworten. Man betet in kniender, stehender oder sitzender Haltung.
Mitglieder sind dazu angehalten, täglich persönlich, als
Familie und vor dem Essen zu beten. Alle Gebete werden frei gesprochen,
außer den Abendmahlsgebeten und dem Taufgebet, die wörtlich
festgelegt sind.
4.4
Aufgaben des Priestertums
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Neben dem Lehren des Evangeliums hat das Priestertum auch die Aufgabe,
Heilige Handlungen zu vollziehen (Taufe, Konfirmation,
Abendmahl, Priestertum übertragen usw.) und Segen zu spenden
(Kindersegnung, Krankensegen, Väterlicher Segen usw.).
Neben den sonntäglichen Versammlungen gibt es für Jugendliche
von 14 bis 18 das Seminarprogramm und für junge Erwachsene
von 18 bis 30 das Institutprogramm. Beides wird vom Bildungswesen
der Kirche (CES) organisiert. Es findet je nach den örtlichen
Umständen wöchentlich am Abend statt oder täglich
am Morgen vor der Schule bzw. Arbeit statt. Die meist ehrenamtlichen
Lehrer werden von CES gestellt und fortgebildet.
Die Seelsorge ist wie die sonstigen kirchlichen Aufgaben auf die
Schultern vieler verteilt. Im Einzelnen handelt es sich dabei um
ein Paar von Priestertumsträgern, die häufig aus einem
Jugendlichen (Lehrer oder Priester im aaronischen Priestertum) und
einem Träger des melchisedekischen Priestertums bestehen. Sie
sind gemeinsam einigen Familien als sog. Heimlehrer zugeteilt und
haben die Aufgabe, ihnen in allen Arten von Nöten zu helfen.
Dazu gehört auch ein monatlicher Seelsorgebesuch, bei dem eine
geistige Botschaft vermittelt wird. Heimlehrer helfen ihren 'Schäfchen'
auch, wenn sie ein Problem mit dem Halten eines Gebot haben. Frauen
sind paarweise einige Frauen zugeteilt, denen sie als "Besuchslehrerinnen"
dienen. Auch sie vermitteln monatlich eine geistige Botschaft und
helfen wo es nötig erscheint.
Den Mitgliedern, die alt genug und gesund sind, wird empfohlen am
ersten Sonntag im Monat zu fasten, um ihre Geistigkeit zu stärken.
Das bedeutet, auf zwei Mahlzeiten zu verzichten und während
dieser Zeit auch nichts zu trinken. Das dadurch eingesparte Geld
wird üblicherweise zweckgebunden für die Versorgung von
Bedürftigen gespendet.
Das Fasten soll durch Gebet begleitet werden und endet in der
Fasten- und Zeugnisversammlung. Das ist eine Abendmahlsversammlung
in der jeder, der möchte, die Gelegenheit hat, seine Glaubengewissheit
mitzuteilen.
Die Familie ist für die Errettung von besonderer Wichtigkeit.
Ein aktives und positives Familienleben wird von den Kirchenführern
sehr stark betont (siehe Proklamation für die Familie). Die
Rolle der Frau als Mutter genießt höchstes Ansehen.
Die Familie nimmt nicht nur an den Sonntagsgottesdiensten teil,
sondern kommt auch möglichst montags zu einem Familienheimabend
zusammen. Dort können Probleme und Vorhaben der Familie besprochen
werden. Die Eltern nutzen diesen Abend, um die Lehre ihren Kindern
in einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre nahezubringen.
Die Siegelung im Tempel soll die Familienbande ewig machen. Sie
entspricht einer Eheschließung, die jedoch die Kinder ausdrücklich
einschließt
Von den Mitgliedern der Kirche wird der Tempel als ganz besonders
heiliger Ort verstanden. Dort geht man Gott gegenüber besondere
Verpflichtungen ein und wird über den Erlösungsplan in
symbolischer Weise belehrt. Neubeigetretene Mitglieder müssen
sich für mindestens ein Jahr als treu erweisen, bevor ihnen
der Zugang zum Tempel gewährt wird.
Tempelbesucher verpflichten sich, über besonders heilige
Teile des Tempelrituals außerhalb des Tempels überhaupt
nicht zu sprechen.
Jedes Mitglied soll die Lehren unter seinen Bekannten nach Möglichkeit
verbreiten, dabei aber nicht aggressiv auftreten, sondern die göttliche
Entscheidungsfreiheit des einzelnen respektieren.
Junge Männer sollen ab dem 19. Lebensjahr 24 Monate lang
einen vollzeitigen Missionsdienst absolvieren. Auch Frauen ab
21 und ältere Ehepaare im Rentenalter können diesen
Dienst, aber zeitlich verkürzt (meist 18 Monate bei jungen
Frauen und 12 bis 18 Monate bei älteren Ehepaaren), erfüllen.
Dies wird jedoch von ihnen nicht so stark erwartet wie von den
jungen Männern.
Die Arbeit dieser vollzeitigen Missionare wird von einem Missionspräsidenten
beaufsichtigt, der für ein bestimmtes geographisches Gebiet
zuständig ist und direkt dem "Kollegium der Zwölf
Apostel" unterstellt ist. Finanziert wird der Lebensunterhalt
für diese Zeit von den Missionaren selbst (aus Erspartem)
oder von ihren Familien und Freunden.
Mitglieder der Kirche sind dazu angehalten, völlig auf den
Genuss von Alkohol, Tabak, Kaffee und schwarzem Tee zu verzichten
sowie keine Drogen zu nehmen und sich gesund zu ernähren. Dieser
Grundsatz, dessen Einhaltung eine Bedingung für den Besuch
eines Tempels darstellt, ist bekannt als "Das Wort der Weisheit".
Die Mitglieder zahlen den "Zehnten", also zehn Prozent
ihres Einkommens. Die Zehnteneinnahmen werden für die Finanzierung
von Bauprojekten, Gebäudeunterhalt, Lehrmittel, Aktivitäten
und anderes verwendet. Auch dies ist Bedingung für den Tempelbesuch.
Das Gebot der Keuschheit bedeutet völlige sexuelle Enthaltsamkeit
vor der Ehe und vollständige Treue in der Ehe. Dazu gehört
auch das Verbot von Selbstbefriedigung. Auch dieses Gebot ist
eine Bedingung für den Besuch von Tempeln. Übertretungen
hinsichtlich dieses Gebotes führen grundsätzlich zu
Sanktionen wie Gemeinschaftsentzug bis hin zur Exkommunikation,
wenn sie den Kirchenoberen bekannt werden.
Tätowierungen und Piercings werden abgelehnt. Jeweils ein
Ohrloch bei Frauen bildet eine Ausnahme. Andere Art Körperverstümmelungen
haben die Mitglieder ebenfalls zu unterlassen.
Unter "Sabbatheiligung" versteht man in der Kirche
den Besuch des Gottesdienstes und den Verzicht auf kommerzielle
und sportliche Betätigung (etwa Schwimmen im Freibad) am
Sonntag. Statt dessen soll man sich mit familienzentrierten und
geistlichen Dingen, wie dem Studium der "heiligen Schriften",
befassen.
Neben dem Missionsprogramm tritt die Kirche vermehrt mit Internetauftritten,
mit Interviews von Kirchenführern in öffentlichen Medien
und mit Zeitungsberichten an die Öffentlichkeit.
Die Kirche betreibt umfangreiche Ahnenforschung, da dies für
die Mitglieder als religiöse Pflicht gilt. Sie ist mit ihren
riesigen Archiven, vor allem durch die Genealogische Gesellschaft
von Utah, auch Nichtmitgliedern bei der Ahnenforschung behilflich,
wobei diese nicht zu einer Mitgliedschaft gedrängt werden.
Viele internationale Hilfsorganisationen loben zudem die Zusammenarbeit
mit der Kirche in humanitären Hilfsprojekten.
Folgende Kritikpunkte stammen von Außenstehenden, wie z. B.
einigen konfessionellen Weltanschauungsbeauftragten und Wissenschaftlern,
sowie von ehemaligen Mitgliedern.
Grundsätzlich werden Zweifel bezüglich Joseph Smith
und der Authentizität seiner Visionen geäußert.
Smith habe demnach keine Offenbarungen erhalten, sondern seine
Werke mittels Phantasie und Adaption anderer Lehren erstellt oder
sie - nach anderer Ansicht - von Dämonen erhalten. Details
hierzu findet man unter Buch Mormon, Lehre und Bündnisse
und Buch Abraham.
Die Lehre von der "Mehrzahl der Götter" (engl.
plurality of Gods) sei Polytheismus und deshalb nicht mit dem
Christentum
zu vereinbaren. Ähnlich verhält es sich auch mit der
Lehre, die besagt, dass jeder Mensch ein Gott werden und Welten
erschaffen könne. Auch die Sonderlehre, dass der Garten Eden
im Gebiet des US-Bundesstaates Missouri gelegen habe, und dass
auch das Neue Jerusalem dereinst dort entstehen wird, stößt
bei Christen,
Juden und
Wissenschaftlern auf Unverständnis. Auch wird kritisiert,
dass die Kirche entgegen dem christlichen Verständnis, die
Sintflut dahingehend interpretiert, dass sie dazu dienen sollte,
die gesamte Erde durch Untertauchen zu taufen. Ferner wird kritisiert,
dass Minderjährige regelmäßige Interviews über
ihr Sexualleben mit dem örtlich zuständigen Bischof
führen sollen.
Einige Christen
kritisieren auch die Lehre der Kirche, die besagt, dass Jesus
ein Bruder Satans sei. Gerade von Protestanten wird der Kirche
oft Werkgerechtigkeit vorgeworfen. Manche Kritiker sehen einen
Widerspruch zwischen dem allgemeinen "Anrecht auf Offenbarungen"
einerseits und der internen Hierarchiebildung durch Offenbarungen
andererseits. Der Kirchenführung wird außerdem vorgeworfen,
die eigene Geschichte zu verfälschen und negative Punkte
zu verheimlichen.
Kritisiert werden ferner ihr autoritärer Führungsstil,
die Forderung der Abgabe des "Zehnten" und manche geschäftliche
Aktivitäten. Tatsächlich ist die Abgabe aber freiwillig
(wenn auch mit einem merklichen sozialen Druck verbunden), und
es wird jedes halbe Jahr von der Kirche ein Buchprüfungsbericht
vorgelegt.
Die auf Druck der Öffentlichkeit (z.B. New York Times) von
der Kirche eingeräumte Existenz des sogenannten "Strengthening
the Members Committee" wird auf das Schärfste kritisiert.
Dieses Komitee wird von Aposteln der Kirche geführt und unterhält
eine geheime Liste von sogenannten Kirchengegnern und Kritikern.
Insgesamt umfasst die Kirche nach eigenen Angaben zur Zeit (2004)
rund 12 Millionen Mitglieder weltweit in über 160 Ländern
und Territorien, davon ca. 5,5 Millionen in den USA. Auch die
folgenden Daten entstammen den Angaben der Kirche.
Länder mit der höchsten Mitgliederzahl
| USA |
5 503 192 |
| Mexiko |
980 053 |
| Brasilien |
866 988 |
| Chile |
530 739 |
| Philippinen |
526 178 |
| Peru |
384 663 |
| Argentinien |
330 349 |
| Guatemala |
192 207 |
| Kanada |
166 442 |
| Ecuador |
161 396 |
|
Länder bzw. Territorien mit der prozentual höchsten
Mitgliederzahl
(mindestens 10 000 Mitglieder)
| Tonga |
46,0 % |
| Samoa |
34,0 % |
| Amerikanisch-Samoa |
19,1 % |
| Kiribati |
10,0 % |
| Französisch-Polynesien |
7,8 % |
| Chile |
3,4 % |
| Uruguay |
2,4 % |
| Neuseeland |
2,3 % |
| Honduras |
1,6 % |
| Bolivien |
1,5 % |
In Österreich
1883 wurde Paul Haslinger, das erste Mitglied auf österreichischem
Gebiet, in Lambach getauft. Die erste Gemeinde wurde in Haag am
Hausruck 1901 gegründet. Die Kirche wurde am 27. September
1955 in Österreich staatlich anerkannt.
Im Jahr 2004 gab es in Österreich 20 Gemeinden und 2 österreichischen
Pfählen: Pfahl Wien mit Gemeinden und Zweigen in Wien (5x),
Bruck an der Mur, Judenburg, St. Pölten, Graz und Wiener
Neustadt. Pfahl Salzburg mit Gemeinden und Zweigen in Neumarkt
am Wallersee, Haag am Hausruck, Innsbruck, Klagenfurt, Linz (2x),
Salzburg, St. Johann im Pongau und Wels. Die Gemeinde in Dornbirn
gehört zum Pfahl Zürich.
In Deutschland
Das erste Gemeindehaus auf deutschem Boden (östlich
der Oder/Neißelinie) wurde 1929 in Selbongen (jetzt Zelwagi
in Polen) gebaut.
Die Kirche hat lediglich in zwei Bundesländern Hessen (seit
1954) und Berlin (seit 1954) den Status einer Körperschaft
des Öffentlichen Rechts. In den übrigen Ländern
ist sie als rechtsfähiger Verein im Sinne des BGB - also
privatrechtlich organisiert - eingetragen. Weiter soll die Kirche
in diesen Ländern, den Antrag zur Verleihung der Körperschaftsrechte
gestellt haben, jedoch ist bisher nicht eindeutig geklärt,
wann diese Anträge gestellt wurden und wann in etwa mit einer
Entscheidung der zuständigen Behörden darüber zu
rechnen ist. Eine Meinung in der Staatskirchenrechtswissenschaft
bezweifelt gar die Wirksamkeit des Körperschaftsstatus im
Bundesland Berlin, da im Jahre 1954 entgegen den Bestimmungen
der Berliner Landesverfassung Formerfordernisse im Verleihungsverfahren
nicht eingehalten wurden (Quelle: Held, Die kleinen öffentlich-rechtlichen
Religionsgemeinschaften im Staatskirchenrecht der Bundesrepublik,
S. 132, 149 f., München 1974). In Deutschland leben ca. 36
000 Mitglieder, davon sind ca. 35% aktiv, d.h. sie besuchen regelmäßig
die Versammlungen und Aktivitäten der Kirche. Es gibt zwei
Tempel: in Friedrichsdorf (Taunus) bei Frankfurt am Main (Frankfurt-Tempel)
und in Freiberg in Sachsen (Freiberg-Tempel). Es gibt 184 Gemeinden
und Zweige in den Pfählen München, Stuttgart, Nürnberg,
Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, Hannover, Neumünster,
Dortmund, Mannheim, Frankfurt am Main, und den Distrikten Neubrandenburg
und Erfurt.
In Deutschland ist die Kirche nur in den Bundesländern Hessen
und Berlin
als Körperschaft des öffentlichen Rechts annerkannt.
Hier ist es möglich, eine Austrittserklärung beim Amtsgericht
abzugeben.
Eine Anleitung zum Austritt in den anderen Bundesländern
findet sich hier.
In Österreich
ist die Kirche eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.
Der Austritt erfolgt wie bei den anderen Gemeinschaften.
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