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Versuch einer Definition |
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Um das Thema Atheismus diskutieren zu können, muss zunächst
eine Begriffsdefinition vorgenommen werden. Das pantheistische
Gotteskonzept bei dem die Alleinheit des Universums die Schöpferrolle
einnimmt, zählt möglicherweise in den Augen eines Theologen,
der Gott als Persönlichkeit mit Charakter und
Reizbarkeit sehen will, als zu passiv und technisch und damit
atheistisch.
| 1.1
Starker und schwacher Atheismus |
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Zu unterscheiden ist zwischen einer starken und einer
schwachen Form des Atheismus:
Der starke Atheist glaubt, dass es keine Götter
gibt (positiver Atheismus).
Der schwache Atheist glaubt nicht, dass es Götter
gibt (negativer Atheismus).
Außerdem gibt es auch eine Form des praktischen Atheismus,
der die theoretische Möglichkeit anerkennt, dass derartige
Entitäten existieren, sich aber lebenspraktisch nicht daran
orientiert (siehe auch Ignostizismus).
Die Formen des schwachen und des praktischen Atheismus lassen
sich nur schwer vom Agnostizismus abgrenzen. Der Agnostizismus
(von a-gnoein, nicht wissen) betont, kein Wissen über irgendwelche
Götter zu haben. Angesichts des fehlenden Wissens lehnen
Agnostiker sowohl einen Glauben an Götter wie auch einen
pauschalen Glauben an die Nichtexistenz von höheren Wesen
ab.
In der Vergangenheit wurden Atheisten oft nur durch ihre ablehnende
Haltung gegenüber etablierten Religionen und deren Lehren
charakterisiert, wie etwa die Ansicht, dass das Alte Testament
und das Neue Testament der Bibel sowie der Koran reines Menschenwerk
und nicht durch einen Gott inspiriert sei, oder die Auffassung,
dass Jesus Christus nicht auferstanden sei oder sogar nie gelebt
habe. Da Atheismus zu vielen Zeiten ein todeswürdiges Verbrechen
war (selbst unser heutiges Strafgesetzbuch enthält den Gotteslästerungsparagraphen),
gaben Atheisten oft (bewusst oder unbewusst) vor, Deisten bzw.
Pantheisten zu sein oder erkannten die Existenz Gottes pro forma
an, diskutierten aber gegen spezielle theologische Fragen oder
die praktischen Folgen der angeblich göttlich inspirierten
Lehren.
| 1.2
Atheismus in verschiedenen Erscheinungsformen |
Heute stellt sich der Atheismus in einer Vielzahl von Ausrichtungen
dar: Beispielsweise sind die Freidenkerbewegung, der Humanismus
und der Existenzialismus eng mit dem Atheismus verbunden. Der
moderne Sozialismus und Kommunismus ist oft atheistisch, der Anarchismus
ist es ebenfalls sehr oft; zu beachten ist allerdings, dass es
innerhalb der christlichen
Theologie eine Denkrichtung gibt, die unter Rückgriff auf
die jüdisch-biblische Herrschaftskritik (1. Buch Samuel Kapitel
12, Richterbuch Kapitel 9) Anarchismus als ideale religiöse
Form des Zusammenlebens darstellt. Weitere Ausrichtungen des Atheismus
sind Materialismus, Nihilismus und wissenschaftlicher Naturalismus.
Nach einer landläufigen Meinung hat Immanuel Kant in seinem
Werk Kritik der reinen Vernunft gezeigt, dass es keinen Beweis
für die Existenz eines Gottes gebe. Tatsächlich hat
Kant nur gezeigt, dass den bis dahin üblichen Argumenten
für die Existenz eines Gottes keine Beweiskraft im strengen
Sinne beikommt. Kant hat später versucht, diese Lücke
zu schließen, indem er in der Kritik der praktischen Vernunft
einen nach seiner Auffassung stichhaltigen Beweis für die
Existenz eines Gottes vorstellte. Darin fand er wenig Zustimmung.
Dafür beeinflussten die Argumente gegen die bisherigen Gottesbeweise
die Entwicklung der Philosophie und selbst der Logik.
1.4 Analytische
Philosophie
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In der im 20. Jahrhundert entwickelten Analytischen Philosophie
wurden Fragen nach der Existenz oder Nichtexistenz von Göttern
sowie metaphysische Fragen anfänglich als unsinnig, nicht
behandelbar oder gar als irrelevant angesehen. Die zeitgenössische
Analytische Philosophie beschäftigt sich indessen wieder
ausführlich mit metaphysischen und, speziell, religionsphilosophischen
Themen. Die Vertreter des positiven Atheismus glauben, im Gegensatz
zu den Befürwortern des nur negativen Atheismus, nicht nur
nicht, dass ein oder mehrere Götter existieren, sondern überdies,
dass kein Gott existiert, welche rationale Überzeugung sich
auf eine Reihe atheologischer Argumente stützt, die jeweils
in die Schlussfolgerung der Nichtexistenz von Göttern münden.
Wenn sich beispielsweise zeigen lässt, dass die dem Gott
der drei monotheistischen Weltreligionen zugeschriebenen Eigenschaften
semantisch widersinnig oder logisch widersprüchlich sind,
dann kann es jenen Gott nicht geben, da logisch Unmögliches
nicht wirklich sein kann. Der entscheidende Punkt ist nämlich,
dass man zwar in modallogisch gültiger Weise von bloßer
logischer Unmöglichkeit auf Unwirklichkeit schließen
kann (z.B.: Wenn es unmöglich ist, dass es regnet, dann regnet
es auch nicht.), aber nicht von bloßer logischer Möglichkeit
auf Wirklichkeit (z.B.: Wenn es möglich ist, dass es regnet,
dann heißt dies nicht unbedingt, dass es regnet.). Die oft
zu lesende Behauptung, man könne die Nichtexistenz von Göttern
prinzipiell nicht beweisen, ist jedenfalls falsch. Sollte es den
Theisten allerdings gelingen, eine absolut konsistente und kongruente
Charakterisierung des göttlichen Wesens darzulegen, dann
können zumindest die rein apriorischen Argumente der Atheologen
zu keinem Erfolg führen. Es kann aber noch versucht werden,
die Existenz eines Gottes zu widerlegen, indem zwischen empirischen
Aussagen über die Welt und denen dem jeweiligen Gott zugeschriebenen
Eigenschaften Widersprüche aufgezeigt werden. Eine solche
Argumentation ist z.B. das Theodizee - Problem, bei dem versucht
wird aus der empirischen Feststellung, dass es Übel in der
Welt gibt, einen Gott, der allmächtig, allwissend und allgütig
ist, zu widerlegen.
Ein atheistischer Standpunkt an sich ist noch keine eigene Religion,
sondern nur die Festlegung in einer einzelnen, wenn auch weitreichenden,
Frage.
Des weiteren ist der Begriff Religion sehr komplex. So lassen
sich auch bei bekennenden Atheisten religiöse Aspekte betrachten.
Beispielsweise der Stalin-Kult in der Sowjetunion, oder die Jugendweihe,
die zwar als Ersatz-Ritual gedacht ist, hierbei jedoch eigene
Kult-Handlungen entstehen lässt.
Der Taoismus,
der im Westen sowohl als Philosophie als auch als Religion betrachtet
wird, negiert die Existenz einer Gottheit.
2.1
Buddhistische Philosophie
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Im Buddhismus
wird die Existenz von Göttern zwar grundsätzlich nicht
verneint, Eigenschaften wie Allmächtigkeit und Schöpfungskraft
werden ihnen aber nicht zugeschrieben.
Aufgrund seiner besonderen Geschichte steht beim Buddhismus
im Westen oft der philosophische Charakter im Vordergrund, während
er in seinen Ursprungländern eher die typischen Erscheinungen
einer Volksreligiosität besitzt.
In den Industrieländern des Westens gehören (um die
Jahrtausendwende) viele Menschen nominell und auch organisatorisch
zu den Kirchen, glauben aber weder an die zentralen Glaubensinhalte
des Christentums
(sofern überhaupt bekannt), noch richten sie ihr Leben danach
aus - sind also in ihrer Lebenspraxis Atheisten. Diese Entwicklung,
die man im Gegensatz zum theoretischen philosophischen Atheismus
unter der Bezeichnung praktischer Atheismus zusammenfassen könnte,
wird unterstützt durch geistige Strömungen in der Priesterschaft,
die Lehre zu "modernisieren" (d.h. an den Zeitgeist
anzupassen).
In Albanien wurde 1967 ein totales Religionsverbot ausgerufen
und das Land bezeichnete sich als ersten "atheistischen Staat".
-
"Der eigentliche Gott, den die Christenheit anbetet,
ist sie darselbst. (Ludwig Feuerbach)
-
Es gibt nichts, was die Vorstellung von einem persönlichen
Gotte unterstützen könnte. Ich bin Atheist. Es gab
große Evolutionsbiologen, die an Gott geglaubt haben.
Aber ich habe nie verstanden, wie man im Gehirn zwei völlig
getrennte Fächer haben kann, und in einem liegt die Wissenschaft
und im anderen die Religion. (Ernst Mayr)
-
Gott ist tot, aber so wie die Art der Menschen ist,
wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben,
in denen man seinen Schatten zeigt, und wir, wir müssen
auch noch seinen Schatten besiegen. (Friedrich Nietzsche)
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Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.
(Ludwig Feuerbach)
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Zufall ist vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn
er nicht selbst unterschreiben will (Anatole France)
-
Der Ursprung, ja das eigentliche Wesen der Religion
ist der Wunsch. Hätte der Mensch keine Wünsche,
so hätte er auch keine Götter. Was der Mensch sein
möchte, aber nicht ist, dazu macht er seinen Gott.
(Ludwig Feuerbach)
- Gott muß tot sein. (Michail Bakunin)
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